Lisa Sonnabend's blog

Panne bei Spock: Politikwissenschaftler als "Nazi leader" geführt

Üble Verwechslung bei der neuen Personensuchmaschine Spock: Wer unter Spock.com den Namen der Nazigröße "Walter Gross" eingibt, sieht neben dem ersten Treffer ein Foto des Göttinger Politikwissenschaftlers Franz Walter. Daneben steht das Schlagwort "Nazi leader".

Das Bild stammt von der Uni-Homepage von Franz Walter. Die Großansicht des Fotos trägt den Dateinamen "walter_gross.jpg". Deshalb "dachte" Spock wohl, dass es sich bei dem Bild um die Nazigröße Walter Gross handeln muss.

Walter kündigte gegenüber der Badischen Zeitung an, gegen die Verknüpfung vorgehen zu wollen.

Bei Spock gibt es weitere Verwechslungen. So erscheint beispielsweise unter dem Namen des ehemaligen spanischen Tennisspielers Sergi Bruguera ein Bild des spanischen Spielers Carlos Moya. Doch solche Verwechslungen sind natürlich nicht mit der von Franz Walter zu vergleichen.

via: djs44b, Badische Zeitung

Die zwei Seelen in meinem Blog: Wie die deutsche Blogosphäre zu zerbröckeln droht

Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf – so auch in der Blogosphäre. Die spaltet sich nämlich in zwei Lager, seit einige Blogger sich in den Kopf gesetzt haben, mit ihrem Blog an Geld zu kommen.

Die einen hoffen, dass Bloggen ein richtiger Beruf wird, die anderen fürchten, dass die Blogosphäre dabei ist, sich selbst zu demontieren, weil Kommerz dem Sinn der Blogosphäre widerspreche.

Hoch waren die Erwartungen in Weblogs, als sie vor einigen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit rutschten. Blogs galten als das demokratischste aller Medien: Jeder hat wegen der einfachen Bedienung von Weblogs die Möglichkeit bekommen, öffentlich seine Meinung zu äußern – und dank der starken Vernetzung von Blogs auch Gehör zu finden. Viele prophezeiten eine nie gekannte Meinungsvielfalt. Denn Blogger würden im Gegensatz zu professionellen Journalisten unabhängig von Werbekunden, PR-Agenturen und Verlegern berichten können. Doch dieser Traum scheint nun ausgeträumt.

Werbung in Blogs gibt es schon seit Beginn der Entwicklung: Viele Blogs schalten kontextbezogene Google-Anzeigen oder verdienen Provisionen mit Links zu Partnerprogrammen wie Amazon. Doch das große Geld lässt sich so nicht verdienen. Deswegen nahm die Dreistigkeit beim Versuch, Einnahmen zu erzielen, zu.

Einige Blogger haben sich wochenlang mit einem Opel aushalten lassen und begeisterte Fahrberichte geschrieben, andere sind in eine von Coca-Cola gesponserte WG gezogen und haben von dort aus über die Fußball-WM berichtet.

Die Firma Trigami zahlt Bloggern Geld, wenn diese über bestimmte Produkte schreiben. Zwar müssen die Beiträge gekennzeichnet sein, doch wer liest einen Artikel schon bis zur letzten Zeile? Andere betreiben gleich Schleichwerbung, indem die Beiträge gar nicht erst als Werbung ausgegeben werden.

Und das alles scheint nur der Anfang: Unternehmen entdecken Blogs erst langsam als ideale Werbefläche. Sie erreichen eine recht junge, gut gebildete und meinungsstarke Zielgruppe. Das Unternehmen bekommt ein authentisches und hippes Image. Zudem kann es neue Werbeformate – wie kommentierbare Banner – testen. Virales Marketing nennen die Firmen das.

Wie die Blogosphäre sich durch den Einzug des Kommerzes entwickeln wird, ist noch unklar. Die zwei Pole, die sich gebildet haben, scheinen unversöhnlich.

Auf der einen Seite die Gruppe um Sascha Lobo, Blogger bei der Riesenmaschine und Autor des Buches "Wir nennen es Arbeit – Die digitale Bohème". Lobo hat im April die Blog-Vermarktungsagentur Adical gegründet. Die Idee: Blogger schließen sich zu einem Verbund zusammen, um Werbern eine attraktive Plattform zu bieten. Die bislang 30 Blogs bei Adical haben zusammen etwa drei Millionen Seitenaufrufe pro Monat. Mit dabei sind viele bekannte Blogger: Stefan Niggemeier mit seinem Bildblog oder Johnny Häusler mit Spreeblick.

Auf der anderen Seite stehen Blogger wie Don Alphonso, die die neue Spezies der kommerziellen Blogger als "unsägliche PR-Pfuscher", "zwielichtige Meinungsführer" oder einfach "Hanswurste" bezeichnen. Don Alphonso wirft Lobo & Co. vor, Bloggen vor allem als Cashcow zu begreifen. Er meint: "Ich würde mir nicht bei jedem Satz überlegen wollen, ob ich das jetzt für meine Leser oder für das Geld schreibe."

Sascha Lobo tut die Kritik als eine Art Wachstumsschmerz der Blogosphäre ab: "Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf." Die Blogosphäre sehe sich mit den gleichen Problemen konfrontiert, die jede Subkultur habe, wenn sie in einem Bereich der Gesellschaft ankomme, der mit Kommerzialisierung und Professionalisierung zu tun habe, meint Lobo. "Das ist wie bei Punkmusik und Skateboardfahren."

Grimme Online Nominierte bekanntgegeben

Die Nominierungen für den Grimme Online Award 2007 sind heute bekanntgegeben worden. Warum Niggemeier schon wieder einen Award braucht und warum der deutsche Ableger von last.fm nominiert ist, bleibt unklar. Interessant klingt dagegen Fudder, ein Online-Magazin mit integrierten Blogs über Freiburg.

Mehr Informationen gibt es auf der Grimme-Homepage.

Nominierte des Grimme Online Award Information:
Abgeordnetenwatch
Fudder- Neuigkeiten aus Freiburg
Logo!
NPD-Blog
Stefan Niggemeier - Blog
Zuender

Nominierte des Grimme Online Award Wissen und Bildung:
Almenrausch und Bauernsterben
Die Zeit: Video
hausgemacht.tv
Last Exit Flucht
migration-audio-archiv
USA Erklärt
Weihnachten global

Nominierte des Grimme Online Award Kultur und Unterhaltung:
Designklicks
Die Zeit: Ö
Nach 100 Jahren
Polylog
Spoonfork
Watch Berlin
Last.fm

Weblog der Tagesschau: Ein Flaggschiff wird zum Speedboot

Bloggen als Chefsache: Die Chefredakteure der ARD-Tagesschau geben Einblick hinter die Kulissen der Nachrichtensendung – und zeigen, wie etablierte Medien mit Weblogs ihr Angebot attraktiver machen können.

So wüst geht es also zu in der Redaktion von Deutschlands wohl sachlichster und ausgewogenster Nachrichten-Sendung: Die Tagesschau-Redakteure sitzen unruhig in der Themenkonferenz und blicken heimlich auf ihre Mobiltelefone unter dem Tisch. Es läuft das Halbfinale der Handball-WM, Deutschland gegen Frankreich, Verlängerung. „Froschfresser“ ruft der Chef vom Dienst außer sich – und noch weitere Beleidigungen über die französischen Handballer fallen.

Was früher nie nach draußen gedrungen wäre, ist nun für alle Welt nachlesbar: Noch am selben Abend berichtet der Chefredakteur der Tagesschau Kai Gniffke im Internet von dem Geschehen in der Redaktion: „Das ist das Ende! Das solide, grundgute Nachrichtenflaggschiff versunken in schwarz-rot-geilem Nationalsumpf! Aber ehrlich gesagt: Das Spiel war’s wert.“

Seit einem Monat sind die Chefredakteure von ARD-aktuell Kai Gniffke und Thomas Hinrichs nicht mehr nur Journalisten, sondern auch Blogger. Sie schreiben regelmäßig auf der Webseite blog.tagesschau.de Beiträge über ihren Arbeitsalltag – aus sehr persönlicher Sicht.

„Manchmal ist es schon schwierig, sich zu offenbaren“, sagt Hinrichs gegenüber sueddeutsche.de über die neue „Arbeit“. Mit dem Weblog wollen sie aufzeigen, meinen die beiden Chefredakteure, „wie sich ein Nachrichtentag aus unserer Sicht entwickelt hat, welche Bilder wir gesehen haben, warum manches Thema durch den Rost gefallen ist“.

Das Weblog der Tagesschau gibt es zwar schon seit fast drei Jahren. Doch erst seit die beiden Chefredakteure seit dem 2. Januar mitbloggen, hat es eine hohe Aufmerksamkeit bei den Internet-Nutzern erreicht.

Die Leser haben die Möglichkeit, direkt Kommentare zu dem Geschriebenen abzugeben – und das tun sie auch. Den ersten Beitrag – über die Entscheidung der Redaktion, die Hinrichtung von Saddam Hussein nicht in der Tagesschau zu zeigen – kommentierten 169 Leser. Mal zustimmend, mal kritisch.

„Bloggen macht Spaß“, sagt Hinrichs. „Es ist zwar manchmal anstrengend, nach zwölf oder dreizehn Stunden Arbeit noch die Muße zu finden, einen ansprechenden Text zu verfassen, aber es ist schon so, dass Gniffke und ich ein wenig wetteifern, wer mehr Reaktionen bekommt.“ Neben E-Mail- und Briefverkehr wolle man eine weitere Möglichkeit schaffen, mit den Zuschauern unmittelbar ins Gespräch zu kommen. „Das erdet“, findet Hinrichs.

In ihren Beiträgen auf dem Tagesschau-Blog erläuterten Gniffke und Hinrichs zum Beispiel, warum sie sich an dem Tag, als Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber abdankte und Kyrill über Deutschland fegte, dafür entschieden haben, die Sendung mit dem Sturm zu beginnen und nicht mit der politischen Nachricht. Oder sie erklären, dass man in der ARD schon lange von Horst Seehofers Freundin in Berlin wusste, es aber niemals thematisiert hätte.

Mal kommen die Einträge ein wenig oberlehrerhaft rüber und erinnern an die „Sendung mit der Maus“, so beispielsweise der Text „Wie kommt Condie in die Tagesthemen?“ über ein Interview mit der US-amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice. Mal wirken sie ein wenig selbstbeweihräuchernd und wie professionelle PR-Arbeit: „Die Tagesschau sendet nach wie vor die seriösesten, sachlichsten und besten Fernsehnachrichten“, heißt es einmal.

Doch die meisten Beiträge sind interessant. Denn Gniffke und Hinrichs plaudern aus dem Nähkästchen und sagen ehrlich ihre Meinung. Ganz anders als bei Weblogs vieler anderer Medien, denen man anmerkt, dass das Bloggen für die Journalisten eher eine Qual ist und sie sich oft wochenlang nicht zu Wort melden.

Beim Weblog der Tagesschau dagegen schreiben die Leser in den Kommentaren: „Sehr lehrreich und sehr unterhaltsam. Daumen hoch!“, „Schön, wie Sie uns einen Einblick in den Journalismus direkt neben der Bühne der Weltpolitik ermöglichen“ oder „Ich finde es einen gelungenen Kontrast zum Nachrichtenroboter“.

Im Grunde ist das Tagesschau-Blog eine Art Corporate Blog, ein von einem Unternehmen geführtes Weblog zur Selbstdarstellung. Aber es ist ein sehr gutes und geschickt geführtes.

„Wir wollen deutlich machen, dass sich diese Redaktion nicht einigelt, sondern sich der Diskussion stellt. Eine gebührenfinanzierte Nachrichtenredaktion muss transparent sein“, schreibt Kai Gniffke in einem Beitrag. Das klappe bislang so gut, sagt Hinrichs, dass überlegt werde, Auslandskorrespondenten und Nachrichtensprecher in das Weblog mit einzubeziehen.

Und die Tagesschau bekommt ganz nebenbei ein frisches Image.

(Der Artikel ist auf sueddeutsche.de erschienen.)

Online-Werbung boomt

Im Jahr 2006 wurde 45 Prozent mehr für Online-Werbung ausgegeben. Insgesamt 480 Millionen Euro wurden von Firmen für Werbung gezahlt. Telekommunikationsunternehmen, Internetanbieter und Banken geben dabei am meisten für Online-Werbung aus.

Online-Werbung macht aber immer noch nur drei Prozent des gesamten Werbemarktes aus. Man geht jedoch von einem weiteren Wachstum aus. Insbesondere die Werbung mit bewegten Bildern wird immer beliebter.

Don Alphonso vs. StudiVZ: Ring frei für Runde zwei

Nach der Übernahme von StudiVZ durch Holtzbrinck gibt sich der größte Kritiker des Community-Portals Don Alphonso siegessicher. Er sei dafür mitverantwortlich, dass der Verkaufspreis nicht weitaus höher ausgefallen ist. In der Blogbar schreibt er:

Genauso wenig ist der Preis aber das, was man sich bei StudiVZ erwartet hat, bevor das hier mit der Behandlung des Themas losging. Irgendwo in der Mitte haben wir uns getroffen. Hätte ich noch vor dem 24.12. über die Gruppen geschrieben, die Völkermord leugnen oder sonstwie bei StudiVZ durchkommen, wäre vielleicht noch was gegangen, aber hey, auch Holtzbrinck wird seinen Spass mit mir haben wollen - Überraschung!

Don Alphonsos Kampf gegen StudiVZ scheint noch nicht beendet:

Ich hatte und habe meinen Spass mit StudiVZ.

Neuer Chefredakteur bei sueddeutsche.de

Hans-Jürgen Jakobs wird der neue Chefredakteur von sueddeutsche.de. Jakobs leitete bislang das SZ-Medienressort. Er löst Helmut Martin-Jung ab.

In einigen Tagen wird sueddeutsche.de einen Relaunch bekommen. Außerdem möchte man die Redaktion im kommenden Jahr deutlich personell verstärken, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können.

Watchblogs: Korinthenkackerei oder Königsweg?

Watchblogs decken die kleinen und großen Fehler der professionellen Medien auf - und sind dabei, den traditionellen Journalismus zu verändern.

Bei der Sache mit den Biobauern wurde Sebastian Heiser misstrauisch. Das Wochenmagazin Der Spiegel schrieb in einem Artikel, wie schlecht es um den Öko-Anbau in Deutschland bestellt ist. Eine Statistik sollte die These verdeutlichen: Deutschland liegt auf dem letzten Platz - weit hinter Tschechien und Estland.

Doch Sebastian Heiser bemerkte: Der Spiegel hatte einfach die untere Hälfte der Statistik weggelassen. Deutschland ist in Wirklichkeit gar nicht Schlusslicht, sondern Mittelfeld beim Bio-Anbau - weit vor Großbritannien, Frankreich und Japan.

Der Student ärgerte sich mal wieder über den Spiegel und schrieb sogleich einen Beschwerdetext. Er schickte jedoch keinen Leserbrief ab. Nein: Heiser hat sein eigenes Medium. Auf dem Weblog Spiegelkritik veröffentlicht er gemeinsam mit drei Bekannten regelmäßig Beiträge, in denen er Fehler des Spiegel und dessen Internet-Seite Spiegel-online dokumentiert.

"Typisch Spiegel"

"Fakten, die nicht zur gewünschten Aussage des Artikels passen, werden beim Spiegel ausgeblendet oder so lange zurechtgebogen, bis sie passen", sagt Heiser. Das ärgert ihn. "Typisch Spiegel", nennt der 27-Jährige das.

Seit Weblogs populär geworden sind, hat Heiser eine Möglichkeit, seinen Ärger der Öffentlichkeit kund zu tun. Weblogs sind die erste Publikationsform, die es dem Publikum ermöglicht, selbst als Kommunikatoren ungefiltert in der Öffentlichkeit Gehör zu finden.

Spiegelkritik rechnet man dabei den so genannten Watchblogs zu, die das Geschehen in den Medien kritisch beobachten. Auf ihnen kann man lesen, was auf den Medienseiten der Zeitungen keinen Platz findet oder womöglich als zu kontrovers gesehen wird.

Bildblog ist das bekannteste Watchblog Deutschlands. Fast 60.000 lesen es täglich. Die Macher decken Fehler der Bild-Zeitung auf: ob Schleichwerbung, erdichtete Skandale oder sonstige Schweinereien. Bei Spiegelkritik, das es seit sieben Monaten gibt, schauen täglich etwa 100 Leser vorbei.

Maradona, Demos und Rechtschreibfehler

"Bildblog hat das Glück, dass die Bild viel mehr und viel gröbere Fehler macht", sagt Heiser. "Den Spiegel zu beobachten ist eine größere Herausforderung. Die Fehler sind oft versteckter." Oft findet Heiser nur Rechtschreibfehler, die Angabe einer viel zu hohen Teilnehmerzahl bei einer Demo gegen Studiengebühren oder die falsche Anzahl der von Diego Maradona besuchten WM-Spiele.

Schon in der Schulzeit las Heiser regelmäßig den Spiegel - damals noch mit Begeisterung. Doch seit er auf der Kölner Journalistenschule ist und sich sein Auge geschärft hat, wie er sagt, fallen ihm immer mehr Fehler auf. Die handwerklichen ärgern den 27-Jährigen am meisten: die fehlende Ausgewogenheit, schlechte Recherche oder das Zurechtbiegen von Fakten.

"Wir schreiben vor allem, um Ärger abzulassen.", sagt Heiser. "Wenn es dann noch jemand liest - umso besser." Geld verdienen will Heiser mit dem Weblog vorerst nicht - dazu sind die Leserzahlen auch noch zu gering. Auch das Design ist wohl zu schlicht, um Werbekunden anzulocken. An die Professionalität der traditionellen Medien kann Spiegelkritik nicht heranreichen. Doch sind Blogger vielleicht trotzdem die besseren Medienjournalisten?

Unkritischer als andere

Zu den Aufgaben der Medien-Berichterstattung gehört es, die Medien - und damit sich selbst - zu kontrollieren, die Qualität im Journalismus zu sichern, Vorgänge transparent zu machen und dem Publikum Medienkompetenz zu vermitteln. Leisten Blogger dies? Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität in Münster, sagt: "Es gibt keine eindeutige Antwort. Es kommt immer darauf an. Bildblog demonstriert, wie die Ansprüche an guten Medienjournalismus erfüllt werden können." Die Betreiber machen auf ein Qualitätsdefizit bei der Bild-Zeitung aufmerksam, sie müssen nicht auf ein Unternehmen im Hintergrund Rücksicht nehmen und sie sensibilisieren die Leser für einen kritischeren Umgang mit der Zeitung.

Viele Medienexperten bemängeln seit langem, dass es im Medienjournalismus starke Verflechtungen zwischen Verlagen und einzelnen Journalisten gibt, die eine unabhängige Medienberichterstattung gefährden. Während der Pressekrise zu Beginn dieses Jahrzehntes beispielsweise haben Zeitungen über ihre eigenen Häuser unkritischer berichtet als über andere Verlage. "Blogger können dagegen ohne die organisatorischen und ökonomischen Zwänge eines Medienunternehmens schreiben", sagt Neuberger.

Doch auch in der Blogosphäre scheint die Unabhängigkeit zunehmend gefährdet. Auf dem renommierten Watchblog Medienrauschen erschien neben einer Coca-Cola-Anzeige ein enthusiastischer Beitrag über das Mixgetränk. Die journalistische Unabhängigkeit war hier wohl nicht mehr gewahrt. Der Herausgeber entfernte den Artikel schließlich.

"Es war ein Fehler"

Popkulturjunkie hatte einen Beitrag veröffentlicht, für den er von der Suchmaschinenfirma Ask.com bezahlt wurde. Nachdem diese sich beschwert hatte, dass der Text zu kritisch sei und Nachbesserungen forderte, löschte Popkulturjunkie den Eintrag: "Es war ein Fehler, sich auf diese Aktion einzulassen. Niemand redet mir in meine Blog-Einträge herein", entschuldigte er sich anschließend bei seinen Lesern.

Für Neuberger stellt die Werbefinanzierung von Weblogs grundsätzlich kein Problem dar: "Entscheidend ist die Frage, ob der Inhalt eines Weblogs unbeeinflusst bleibt und für den Nutzer die Abgrenzung zwischen Blog und Werbung klar erkennbar ist." In der Blogosphäre werde gerade diskutiert, was werbende Blogger beachten müssen.

Heiser hat mit Spiegelkritik nicht den Anspruch, dem traditionellen Medienjournalismus Konkurrenz zu machen. Ein Blog und eine
Medienseite in der Zeitung seien zwei sehr unterschiedliche Dinge. Heiser sagt: "Die Herangehensweise ist ganz anders. Eine Korinthe reicht nicht für einen Zeitungsbeitrag."

Immerhin: Regelmäßig schauen bei Spiegelkritik Mitarbeiter vom Spiegel vorbei. "Das können wir an den Zugriffsstatistiken sehen", erklärt Heiser. Vielleicht schärft Heiser mit seinem Weblog das Fehlerbewusstsein bei den Journalisten. Und das wäre ja schon Einiges, wenn Journalisten durch Watchblogs künftig nicht die immer gleichen Fehler machen.

Springer launcht Zeitung für Second-Life-Bewohner

Endemol will im Second-Life-Universum Big Brother spielen. Springer will jetzt eine Zeitung im Cyberspace veröffentlichen und ein Redaktionsgebäude bauen. Die SZ beschäftigt sich mit dem Thema in dem Artikel: Die Welt ist nicht genug.

Endemol bringt Big Brother auf Second Life

Endemol spielt wieder Big Brother. Diesmal jedoch nicht im Fernsehen und damit ziemlich real, sondern rein virtuell in dem Computerspiel Second Life.

15 Personen haben die Chance 1300 Euro zu gewinnen, wenn sie einen Monat Big Brother am Computer spielen. Der Preis ist um einiges geringer als im Fernsehen, doch am Computer ist das ganze wahrscheinlich weniger entblößend - und deswegen weniger Aufsehen erregend.

Via: El País

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