Brechts Web-2.0-Vermächtnis: Die Radiotheorie

14. August 2006 - 23:33 -- Lisa Sonnabend

Der Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht ist heute vor 50 Jahren gestorben.

Brecht hatte bereits ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Medienschaffenden und dem Publikum gefordert - wie es bei Wikis und Weblogs nun erstmals verwirklicht werden kann.

So postulierte Bertolt Brecht in seiner Radio-Theorie in den 30er Jahren:

Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h., er würde es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.

Doch durch das Nazi-Regime gerieten Brechts Ideen wieder in Vergessenheit. Erst Hans Magnus Enzensberger machte im Jahre 1970 in seinem Aufsatz "Baukasten zu einer Theorie der Medien" wieder auf Brechts Ideen aufmerksam und entwickelte Brechts Gedanken weiter.

Brecht, Bertolt (1992): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: Bertolt Brecht: Werke. Bd. 21, Frankfurt am Main: Suhrkamp.