1.3 Forschungsstand
In den letzten Jahren sind in der Kommunikationswissenschaft und der Informatik verschiedene Arbeiten über die Blogosphäre erschienen. Darin geht es unter anderem um die Klassifizierung von Blogs (Herring et al. 2004 ), ihren Einfluss auf die Gesellschaft (Neuberger 2003, Drezner et al. 2004a), die Demografie der Blogger (Henning 2003, Henning 2005, Rainie 2005), ihre Motive (Lenhart et al. 2006) und ihr Selbstverständnis (Viégas 2005). In der deutschen Literatur ist Jan Schmidts „Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie“ derzeit die umfassendste Arbeit über die Blogosphäre (Schmidt 2006). Schmidt schreibt unter anderem über die Rolle von Weblogs in der Organisationskommunikation, das Verhältnis zum Journalismus und zur politischen Kommunikation.
Über die Ethik von Bloggern ist dagegen noch wenig publiziert worden. Pioniere auf diesem Gebiet sind die Bloggerin Rebecca Blood (Blood 2002b) und einige Journalisten (Dube 2003, Gilmor 2005). Die ersten empirischen Untersuchungen stammen von Andy Koh und seinen Kollegen vom Internet Research Centre der Nanyang Technological University in Singapur, die im Jahr 2005 die Studie „Ethics in Blogging“ vorstellten (Koh et al. 2005). Dabei fanden sie heraus, dass sich die Blogger-Szene in zwei Lager spaltet. Die Mehrheit der Blogger schreibt ausschließlich über persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Nur ein kleiner Teil – darunter die Watchblogger – reflektiert über externe Informationen aus Politik, Wirtschaft oder Medien. Überraschenderweise unterscheidet sich die Blogger-Ethik beider Lager nicht.
