Die Zahl der Blogs steigt seit dem Jahr 2000 fast exponentiell an (Henning 2005, S. 3). Die Computerzeitschrift c’t schätzt, dass sich ihre Zahl alle fünf Monate verdoppelt (Sixtus 2005, S. 148). Wie viele Blogs es weltweit gibt, lässt sich nicht genau ermitteln, die Schätzungen reichen von 30,9 Millionen (Gordon 2006) bis 200 Millionen Blogs (Von Randow 2006, S. 43). Der Kommunikationswissenschaftler Jan Schmidt geht davon aus, dass es in Deutschland Anfang 2006 rund 40.000 Weblogs gab (Schmidt 2006, S. 18). Der Wendepunkt zum explosionsartigen Wachstum kam im Oktober 2003 (vgl. Henning 2005, S. 3). Die Forscher der amerikanischen Beratungsfirma Perseus nehmen an, dass die Initiative eines Mannes dafür der Auslöser war: Blog-Pionier Dave Winer veranstaltete im Oktober 2003 den ersten Blogger-Kongress BloggerCon an der Harvard Law School.

Das erste Bloggercon zog unglaublich viel Aufmerksamkeit der Mainstream Medien auf sich. Die Aufmerksamkeit trieb das Interesse für Blogs in die Höhe und beschleunigte das Wachstum von Blogs dramatisch. (Henning 2005, S. 3)

Für die Situation in den USA hat das Forschungsinstitut Pew Internet & American Life Project genauere Zahlen vorgelegt. Laut einer Pew-Studie aus dem Jahr 2005 hatten im Juni 2002 zwei Prozent aller Internetnutzer in den USA ein eigenes Weblog (Rainie 2005). Seitdem ist der Anteil der Blogger stark gewachsen. Ende 2004 bloggten bereits sieben Prozent der amerikanischen Internetnutzer. Die Zahl der Blog-Leser sei im selben Jahr auf 27 Prozent der amerikanischen Internetnutzer gestiegen. Eine Pew-Studie aus dem Jahr 2006 hat ergeben, dass heute um die acht Prozent der erwachsenen amerikanischen Internetnutzer ein Blog führen. 39 Prozent der Befragten nutzen und lesen diese Blogs (Lenhart et al. 2006, S. 2).

Bereits 2003 relativierten Perseus-Forscher die Blog-Euphorie mit ihrer Untersuchung von 3634 zufällig ausgewählten Blogs der acht führenden Blog-Hoster (Henning 2003, S. 1). Der Autor der Studie, Jeffrey Henning, vergleicht die Blogosphäre mit einem Eisberg:

Wenn man „Blog“ sagt, denken die meisten Leute an die bekanntesten Blogs, die mehrmals am Tag aktualisiert werden und Zehntausende Besucher täglich haben. Diese machen aber nur die Spitze des Eisbergs aus: Zwar sehr gut sichtbar, aber nicht charakteristisch für den ganzen Eisberg. Unter dem Wasserspiegel stecken die Millionen Blogs, die fast nicht verlinkt sind, weil sie nur für Familie, Freunde und Kollegen interessant sind. (Henning 2003, S. 3)

Die Perseus-Forscher fanden heraus, dass es zwar Millionen Blogs gibt, die meisten aber verwaist sind. 66 Prozent der untersuchten Blogs waren zwei Monate lang nicht aktualisiert worden. Die aktiven Blogs wurden im Schnitt alle zwei Wochen aktualisiert. Nur 1,2 Prozent der Blogger schrieb täglich.