Im Gegensatz zu gewöhnlichen Webseiten können die Leser von Blogs die vom Autor veröffentlichten Einträge meist kommentieren. Die meisten Blogs haben dafür eine integrierte Kommentarfunktion. Die Beiträge werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge veröffentlicht, der aktuellste Beitrag steht also immer oben. Im Gegensatz zu normalen Webseiten, auf denen neue Inhalte alte Informationen ersetzen, werden ältere Einträge und Kommentare auf fast allen Blogs gespeichert und archiviert. Die Leser können diese Archive über Suchfunktionen komfortabel durchforsten. Dieses einfache Feature, die Fähigkeit hinzuzufügen ohne irgendwelche alten Inhalte zu löschen, macht laut der Soziologin und Informatikerin Fernanda Viégas vom Massachusetts Institute of Technology den fundamentalen Unterschied zu anderen Arten von Webseiten aus (Viégas 2005, S. 3). Ein Problem des kollektiven Gedächtnisses der Blogosphäre ist, dass Gedächtnislücken entstehen, wenn Blogger ihre Blogs aufgeben und löschen.

Neben der offenen Diskussionskultur ist der hohe Grad der Verlinkung eine weitere charakteristische Eigenschaft von Blogs. Da interessante Beiträge von den Lesern eines Blogs auf die eigenen Blogs verlinkt werden, verbreiten sich Neuigkeiten in der Blogosphäre sehr schnell. Der bekannte Blogger Kai Pahl alias Don Alphonso schreibt dazu:

Ein Weblog ist zum Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts eine Art privates Logbuch oder digitaler Fahrtenschreiber, in das ein Surfer interessante Links auf seinem täglichen Weg durch das Netz abspeichert und kommentiert.
(Alphonso 2004a, S. 19)

Eine allgemein anerkannte Definition von „Weblog“ oder „Blog“ gibt es nicht. Verschiedene Wissenschaftler und Blogger haben Definitionsversuche unternommen. Bedenkt man die Ergebnisse der Linguistin und Informatikerin Susan Herring, dass Blogs vor allem als persönliche Online-Tagebücher genutzt werden, greift der Begriffsbestimmungsversuch von Tim Fischer und Oliver Quiring zu kurz (vgl. Herring et al. 2004):

Unter Weblog wird allgemein ein thematischer Nachrichtendienst verstanden, der als Webseite publiziert und ähnlich wie ein Tagebuch (...) in regelmäßigen Abständen ergänzt wird. (Fischer et al. 2004, S. 9)

Wie verschiedene Studien gezeigt haben, ist die Mehrheit der Blogs eben kein thematischer Nachrichtendienst (vgl. Herring et al. 2004, Koh et al. 2005, Lenhart et al. 2006). In dieser Arbeit gilt daher Herrings schlichte und inhaltlich offene Definition:

Weblogs werden hier als häufig modifizierte Webseiten definiert, auf denen datierte Einträge in umgedreht chronologischer Reihenfolge aufgelistet werden.
(Herring et al. 2004, S. 1)

An dieser Stelle sind Wissenschaftler und Praktiker nicht weit voneinander entfernt. Die Blog-Definition von Don Alphonso ähnelt der Erklärung von Herring. Alphonso fordert, man dürfe Blogs keine Zwangsjacke überstülpen, indem man sie über den Inhalt definiere und schreibt deswegen:

Ein Blog ist eine häufig aktualisierte Webseite mit individuellen Einträgen.
(Alphonso 2004a, S. 307)

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht können Blogs außerdem in das Raster der elektronisch vermittelten Individual- und Massenkommunikation eingeordnet werden. Während sich die klassischen Massenmedien durch unidirektionale Kanäle, hierarchische Institutionsstrukturen und geographisch definierbare Rezipientenkreise auszeichnen (vgl. Sandbothe 1996, S. 1), haben Blogs multidirektionale Kanäle, dezentrale Netzstrukturen und geographisch offene Rezipientenkreise. Damit zeigen Blogs die typischen Merkmale von Internetanwendungen, wie E-Mail, Chat oder Newsgroups, die die Einteilung in Individual- und Massenkommunikation sprengen, weil sie beide in einem Medium vereinen (vgl. Pohla 2006, S. 49). Im Gegensatz zu den klassischen Massenmedien können Kommunikatoren im Internet einerseits öffentlich Informationen an ein disperses Publikum übertragen und andererseits auch einzelne Rezipienten ansprechen.

Internetanwendungen wie Blogs, E-Mail oder Chat haben außerdem multimediale Eigenschaften, das heißt, sie sind in der Lage

Text, Bild, Ton, Video, Grafik und Datenkommunikation unterschiedlicher Herkunft zu integrieren sowie traditionelle Medienangebote und neue digitalisierte Medien wie Internet (bzw. WWW) und Online-Kommunikation zusammenzuführen.
(Pürer 2003, S. 88)

Das Besondere vieler dieser Multimedia-Anwendungen ist, dass die Rezipienten dem Kommunikator durch „spontane Rückkopplungsmöglichkeiten“ antworten können (Pürer 2003, S. 88). Damit ist das klassische Merkmal für Massenkommunikation, nämlich die Einseitigkeit vom Kommunikator zum Rezipienten, aufgehoben. Sogenannte Steuerungsfunktionen verlagern sich bei Multimedia-Anwendungen vom Produzenten zum Rezipienten. Die Folge ist ein sogenannter Individualisierungsprozess: Rezipienten können das Angebot beeinflussen, im Fall von Blogs durch die Kommentarfunktion mitgestalten, und verändern (vgl. Pürer 2003, S. 88). Einen kompletten Rollentausch zwischen Kommunikator und Rezipient wie bei E-Mail gibt es bei Blogs jedoch nicht. Bei den meisten Blogs können die Leser lediglich die vom Blogger eingestellten Beiträge kommentieren, eigene Beiträge erstellen können sie dagegen nicht.

Wenn die Produzenten die Steuerungsmöglichkeiten nicht mehr exklusiv haben und die Nutzer das Angebot verändern können, spricht man von Interaktivität. Im kommunikationswissenschaftlichen Sinn ist mit Interaktivität vor allem die „Kommunikation zwischen Menschen mittels Computer“ gemeint (Pürer 2003, S. 96). Laut Pürer bedeutet Interaktivität im technischen Sinn, dass ein Nutzer einerseits mit dem Medium in einen Dialog treten, als auch durch das Medium kommunizieren kann (Pürer 2003, S. 94). Damit geographisch getrennte Menschen „durch ein Medium“ kommunizieren können, muss das Medium synchrone und asynchrone Kommunikation ermöglichen (Pürer 2003, S. 94).

Bloggen ist also eine multimediale und interaktive Anwendung, weil Blogger die verschiedensten medialen Elemente einbinden, Nutzer die Inhalte verändern, und eine asynchrone – teilweise sogar fast synchrone – Kommunikation möglich ist. Aus der Feder des leidenschaftlichen Bloggers Don Alphonso hört sich das so an:

Blogs sind wichtig, weil sie die alte Aufteilung in intrigante Interessensgruppen (Sender), abhängige Journalisten (Vermittler) und blöde Rezipienten (Empfänger) zertrümmern. Blogs sind die Kalaschnikow für den Partisanenkrieg: Billig, robust, überall einsetzbar, hohe Feuerrate. Blogs sind eine Waffe. (Alphonso 2004a, S. 303)