Das Netz der Spinne: Google auf Expansionskurs

1. September 2006 - 18:56 -- Lisa Sonnabend

Ist das der Beginn einer erfolgreichen Partnerschaft? Google-Chef Eric Schmidt ist am Mittwoch in den Aufsichtsrat der Computerfirma Apple gewählt worden. Hendrik Speck, Professor für Informatik an der Fachhochschule Kaiserslautern, sieht darin einen ersten Schritt für eine engere Zusammenarbeit der beiden Hauptkonkurrenten des Software-Riesen Microsoft. "Es ist sicher mehr als eine personelle Verflechtung. Google könnte nun für das Online-Musikportal 'I-Tunes' werben. Ein Markt mit großer Zukunft." Speck hält es für möglich, dass Apple auf seinen Rechnern Programme von Google vorinstalliert.

Google fiel bereits in den vergangenen Wochen durch große Expansionen auf: Am Dienstag hatte der Marktführer unter den Suchmaschinen angekündigt, im Herbst eine Anzeigenkooperation mit dem Online-Auktionshaus Ebay zu starten. Von 2007 an wird Google die Werbung für "MySpace" organisieren. Auf der Community-Seite haben bereits mehr als 100 Menschen ein eigenes Profil angelegt. Google könnte die persönlichen Daten der Nutzer werbestrategisch nutzen.

Auch mit dem Musiksender MTV hat Google eine Kooperation abgeschlossen. Künftig sind Videos von MTV auf gewöhnlichen Homepages zu sehen - untermalt mit Anzeigen von Google.

Google versucht zudem, Einfluss auf dem Markt für Unternehmenssoftware zu gewinnen. Der Konzern gab bekannt, dass es neben dem Mailprogramm "Gmail" nun auch einen Kalender, ein Programm zur Erstellung von Webseiten und ein Tabellenkalkulationsprogramm gibt. Die Angebote sind kostenlos, da sie sich über Werbung finanzieren.

Speck überrascht die Expansion nicht: "Es ist logisch, dass Google neue Geschäftsfelder sucht." Der Konzern erreiche mit seiner Suchmaschine bereits knapp 90 Prozent aller Internetnutzer. Das Wachstumspotential sei somit fast erschöpft. Mitarbeitern der Firma stehen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit zu Verfügung, sich der Entwicklung neuer Geschäftsideen zu widmen. Dies ist Teil der innovativen Firmenstrategie.

Durch eine enge Kooperation von Apple und Google würde sich die Schlacht der großen Firmen im Internet weiter verschärfen: Apple und Microsoft führen schon seit längerem eine Art Kreuzzug. Doch auch die Konkurrenz zwischen Google und Microsoft wird immer größer.

Während Google versucht, mit seinen Softwareangeboten in Domänen der Konkurrenzfirma einzudringen, hat Microsoft die Suchmaschine Vista gestartet. Speck glaubt, dass die Strategie von Google nur dann erfolgreich sein kann, wenn es dem Unternehmen gelingt, durch sein Image die Benutzer zu überzeugen, auf seine Angebote umzusteigen.

"Doch das ist schwierig", sagt Speck. "Bei fast allen sind die Programme von Microsoft vorinstalliert. Und die Masse ist faul und träge." Der Sitz im Aufsichtsrat von Apple könnte der Anfang sein, großflächig Software über Apple-Computer zu verbreiten - und den Monopolisten Microsoft anzugreifen.