Die Notwendigkeit einer inderdisziplinären Internetwissenschaft

19. August 2006 - 17:46 -- Lisa Sonnabend

Eine inderdisziplinäre Internetwissenschaft ("science of the Web") haben der Erfinder des World Wide Web Tim Berners-Lee, Daniel J. Weitzner vom Massachusetts Institute of Technology, Wendy Hall und Nigel Shadbolt von der britischen Universität Southampton und James Hendler von der University of Maryland im Magazin Computer Science (11. August 2006) gefordert.

Die Wissenschaftler verlangen: "new approaches to tap the full richness of this powerful tool, while ensuring that it develops in a way that benefits society as a whole".

Weiter meinen sie:

"If we want to model the Web; if we want to understand the architectural principles that have provided for its growth; and if we want to be sure that it supports the basic social values of trustworthiness, privacy, and respect for social boundaries, then we must chart out a research agenda that targets the Web as a primary focus of attention."

Die Entwicklung des Internet ist nicht vorhersehbar. Umso wichtiger sei es, die Vorgänge wissenschaftlich zu begleiten – und zwar beschreibend und prognostizierend.

Im Internet spielen unter anderem technologische, soziale, ethische, gesetzgebende und rechtliche Aspekte eine Rolle. Nur wenn alle Disziplinen in einer übergreifenden Internetwissenschaft beachtet werden, lässt sich der Gegenstand umfassend betrachten.

Beispiel Weblogs: In Deutschland beschäftigen sich sowohl die Informatik, die Kommunikationswissenschaft als auch die Betriebswirtschaftslehre mit dem Phänomen. In geringerem Maße auch zum Beispiel die politische Wissenschaft, Rechtswissenschaft oder Sprachtheorie. Ein fächerübergreifender Austausch findet bislang kaum statt.

Und das obwohl das Internet ja wie kein anderes Kommunikationsmittel zuvor, es den Forschern ermöglicht, miteinander zu kommunizieren.

Die Entwicklung der Massenmedien hing schon immer von den technischen
Voraussetzungen ab. Die Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert diente als Katalysator für die Entwicklung der Massenmedien. Fernsehen und Radio konnten nur entstehen, als die technischen Voraussetzungen gegeben waren. Und auch im Internet kann die Kommunikation nur so weit gehen, wie es die technischen Möglichkeiten zulassen. Oder anders gesagt: Sie kann und wird so weit gehen, wie es die technischen Möglichkeiten zulassen. Es müssen also technische und sozio-kulturelle Seite stets im Zusammenhang betrachtet werden.

Das Internet verändert ganze Gesellschaftsbereiche. Es ist zu wichtig, als dass man seine Entwicklung dem Zufall überlassen sollte. Nur eine umfassendere Wissenschaft kann dies in den Griff bekommen. Gerade in Deutschland, wo die Online-Forschung noch Nachholbedarf hat, sollte man schläunigst umdenken.

Quellen: Telepolis, RPI