BILDblog intern

Wie sieht er aus, der Redaktionsalltag bei Deutschlands Watchblog Nr. 1? Felix Schwenzel von wirres.net war zu Besuch bei BILDblog und fördert in einem kurzen Video Erstaunliches zutage.

Spiegel Online intern

Neues Leitmedium oder "Pornorama"? Wer sich für die Rezeption von Deutschlands reichweitenstärkster Online-Nachrichtenseite interessiert und schon immer mal wissen wollte, wie es in der SpOn-Redaktion so zugeht, kann das jetzt in der Studie "Meinungsführer oder Populärmedium? Das journalistische Profil von Spiegel Online" von Julia Böhnisch nachlesen.

via spiegelkritik.de

Watchblogs: Korinthenkackerei oder Königsweg?

Watchblogs decken die kleinen und großen Fehler der professionellen Medien auf - und sind dabei, den traditionellen Journalismus zu verändern.

Bei der Sache mit den Biobauern wurde Sebastian Heiser misstrauisch. Das Wochenmagazin Der Spiegel schrieb in einem Artikel, wie schlecht es um den Öko-Anbau in Deutschland bestellt ist. Eine Statistik sollte die These verdeutlichen: Deutschland liegt auf dem letzten Platz - weit hinter Tschechien und Estland.

Doch Sebastian Heiser bemerkte: Der Spiegel hatte einfach die untere Hälfte der Statistik weggelassen. Deutschland ist in Wirklichkeit gar nicht Schlusslicht, sondern Mittelfeld beim Bio-Anbau - weit vor Großbritannien, Frankreich und Japan.

Der Student ärgerte sich mal wieder über den Spiegel und schrieb sogleich einen Beschwerdetext. Er schickte jedoch keinen Leserbrief ab. Nein: Heiser hat sein eigenes Medium. Auf dem Weblog Spiegelkritik veröffentlicht er gemeinsam mit drei Bekannten regelmäßig Beiträge, in denen er Fehler des Spiegel und dessen Internet-Seite Spiegel-online dokumentiert.

"Typisch Spiegel"

"Fakten, die nicht zur gewünschten Aussage des Artikels passen, werden beim Spiegel ausgeblendet oder so lange zurechtgebogen, bis sie passen", sagt Heiser. Das ärgert ihn. "Typisch Spiegel", nennt der 27-Jährige das.

Seit Weblogs populär geworden sind, hat Heiser eine Möglichkeit, seinen Ärger der Öffentlichkeit kund zu tun. Weblogs sind die erste Publikationsform, die es dem Publikum ermöglicht, selbst als Kommunikatoren ungefiltert in der Öffentlichkeit Gehör zu finden.

Spiegelkritik rechnet man dabei den so genannten Watchblogs zu, die das Geschehen in den Medien kritisch beobachten. Auf ihnen kann man lesen, was auf den Medienseiten der Zeitungen keinen Platz findet oder womöglich als zu kontrovers gesehen wird.

Bildblog ist das bekannteste Watchblog Deutschlands. Fast 60.000 lesen es täglich. Die Macher decken Fehler der Bild-Zeitung auf: ob Schleichwerbung, erdichtete Skandale oder sonstige Schweinereien. Bei Spiegelkritik, das es seit sieben Monaten gibt, schauen täglich etwa 100 Leser vorbei.

Maradona, Demos und Rechtschreibfehler

"Bildblog hat das Glück, dass die Bild viel mehr und viel gröbere Fehler macht", sagt Heiser. "Den Spiegel zu beobachten ist eine größere Herausforderung. Die Fehler sind oft versteckter." Oft findet Heiser nur Rechtschreibfehler, die Angabe einer viel zu hohen Teilnehmerzahl bei einer Demo gegen Studiengebühren oder die falsche Anzahl der von Diego Maradona besuchten WM-Spiele.

Schon in der Schulzeit las Heiser regelmäßig den Spiegel - damals noch mit Begeisterung. Doch seit er auf der Kölner Journalistenschule ist und sich sein Auge geschärft hat, wie er sagt, fallen ihm immer mehr Fehler auf. Die handwerklichen ärgern den 27-Jährigen am meisten: die fehlende Ausgewogenheit, schlechte Recherche oder das Zurechtbiegen von Fakten.

"Wir schreiben vor allem, um Ärger abzulassen.", sagt Heiser. "Wenn es dann noch jemand liest - umso besser." Geld verdienen will Heiser mit dem Weblog vorerst nicht - dazu sind die Leserzahlen auch noch zu gering. Auch das Design ist wohl zu schlicht, um Werbekunden anzulocken. An die Professionalität der traditionellen Medien kann Spiegelkritik nicht heranreichen. Doch sind Blogger vielleicht trotzdem die besseren Medienjournalisten?

Unkritischer als andere

Zu den Aufgaben der Medien-Berichterstattung gehört es, die Medien - und damit sich selbst - zu kontrollieren, die Qualität im Journalismus zu sichern, Vorgänge transparent zu machen und dem Publikum Medienkompetenz zu vermitteln. Leisten Blogger dies? Christoph Neuberger, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität in Münster, sagt: "Es gibt keine eindeutige Antwort. Es kommt immer darauf an. Bildblog demonstriert, wie die Ansprüche an guten Medienjournalismus erfüllt werden können." Die Betreiber machen auf ein Qualitätsdefizit bei der Bild-Zeitung aufmerksam, sie müssen nicht auf ein Unternehmen im Hintergrund Rücksicht nehmen und sie sensibilisieren die Leser für einen kritischeren Umgang mit der Zeitung.

Viele Medienexperten bemängeln seit langem, dass es im Medienjournalismus starke Verflechtungen zwischen Verlagen und einzelnen Journalisten gibt, die eine unabhängige Medienberichterstattung gefährden. Während der Pressekrise zu Beginn dieses Jahrzehntes beispielsweise haben Zeitungen über ihre eigenen Häuser unkritischer berichtet als über andere Verlage. "Blogger können dagegen ohne die organisatorischen und ökonomischen Zwänge eines Medienunternehmens schreiben", sagt Neuberger.

Doch auch in der Blogosphäre scheint die Unabhängigkeit zunehmend gefährdet. Auf dem renommierten Watchblog Medienrauschen erschien neben einer Coca-Cola-Anzeige ein enthusiastischer Beitrag über das Mixgetränk. Die journalistische Unabhängigkeit war hier wohl nicht mehr gewahrt. Der Herausgeber entfernte den Artikel schließlich.

"Es war ein Fehler"

Popkulturjunkie hatte einen Beitrag veröffentlicht, für den er von der Suchmaschinenfirma Ask.com bezahlt wurde. Nachdem diese sich beschwert hatte, dass der Text zu kritisch sei und Nachbesserungen forderte, löschte Popkulturjunkie den Eintrag: "Es war ein Fehler, sich auf diese Aktion einzulassen. Niemand redet mir in meine Blog-Einträge herein", entschuldigte er sich anschließend bei seinen Lesern.

Für Neuberger stellt die Werbefinanzierung von Weblogs grundsätzlich kein Problem dar: "Entscheidend ist die Frage, ob der Inhalt eines Weblogs unbeeinflusst bleibt und für den Nutzer die Abgrenzung zwischen Blog und Werbung klar erkennbar ist." In der Blogosphäre werde gerade diskutiert, was werbende Blogger beachten müssen.

Heiser hat mit Spiegelkritik nicht den Anspruch, dem traditionellen Medienjournalismus Konkurrenz zu machen. Ein Blog und eine
Medienseite in der Zeitung seien zwei sehr unterschiedliche Dinge. Heiser sagt: "Die Herangehensweise ist ganz anders. Eine Korinthe reicht nicht für einen Zeitungsbeitrag."

Immerhin: Regelmäßig schauen bei Spiegelkritik Mitarbeiter vom Spiegel vorbei. "Das können wir an den Zugriffsstatistiken sehen", erklärt Heiser. Vielleicht schärft Heiser mit seinem Weblog das Fehlerbewusstsein bei den Journalisten. Und das wäre ja schon Einiges, wenn Journalisten durch Watchblogs künftig nicht die immer gleichen Fehler machen.

Wikipedia-Bashing: Die "Wiki-Fehlia"-Kampagne der BILD-Zeitung

Die kritische Rezeption der kollaborativ (und oftmals anonym) erstellten Wikipedia-Artikel gehört zu den wichtigsten Aspekten bei der Nutzung der Online-Enzyklopädie. Während Projekte wie "Wikipedia in der Schule" dies konstruktiv zu vermitteln versuchen, lässt sich in den Medien in letzter Zeit gehäuft eine etwas einseitige Berichterstattung über die Gefahren und Probleme der Wikipedia beobachten.

Nach der Süddeutschen Zeitung springt nun auch die BILD-Zeitung, selbst bekanntlich ein Vorzeigeobjekt in Sachen Glaubwürdigkeit und Fehlerfreiheit (wie sehr das zutrifft, kann man täglich bei BILDblog nachlesen), auf den Zug des derzeit beliebten Wikipedia-Bashings auf.

Die BILD-Zeitung setzt dabei - wie schon in Sachen Leserreporter - wieder ganz auf ihre etwas eigentümliche Vorstellung von Bürgerjournalismus: Während man in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung vor kurzem noch eigenhändig Fehler in der Wikipedia verstreute, ruft BILD nun die Leser dazu auf, bereits vorhandene Fehler aufzuspüren und zu melden. (Ob dabei auch die Gefahr besteht, dass manch übermotivierter BILD-Leser selbst auf dumme Gedanken kommen könnte, sei mal dahingestellt).

Was bislang von BILD an Fehlern präsentiert wurde, dürfte allerdings selbst eingefleischte Wikipedia-Kritiker nicht wirklich vom Hocker hauen. Viele der angeführten Beispiele sind eher der Kategorie "Pubertäts-Vandalismus" zuzuordnen und überlebten meistens nur für wenige Minuten, wie man bei BILDblog im einzelnen nachgeprüft hat.

Auch der Nihil-Artikel "Ferdinand Julius Hidemann" - seit fast zwei Jahren nicht mehr im Artikelraum der Wikipedia zu finden und explizit als "Lexikon-Ente" gekennzeichnet - wurde von BILD als vorsätzliche Falschinformation angeprangert.

Trotz allem kann man der gesteigerten Aufmerksamkeit, die Deutschlands auflagenstärkste Zeitung der Online-Enzyklopädie schenkt, durchaus auch Positives abgewinnen: Schließlich muss man meist einen gewissen Grad an Prominenz erworben haben, um von BILD überhaupt einer Schlagzeile würdig befunden zu werden.

Wikipedias Erfolgsgeschichte wird die Wikifehlia-Kampagne der BILD-Zeitung wohl kaum gefährden - zumal es von engagierten und ernsthaften Wikipedia-Nutzern schon seit längerem Pläne für eine parallele Version mit überprüften und unveränderlichen Artikeln gibt, die über kurz oder lang wohl auch im Sinne eines Projekts "Wikipedia 1.0" umgesetzt werden dürften.

Springer launcht Zeitung für Second-Life-Bewohner

Endemol will im Second-Life-Universum Big Brother spielen. Springer will jetzt eine Zeitung im Cyberspace veröffentlichen und ein Redaktionsgebäude bauen. Die SZ beschäftigt sich mit dem Thema in dem Artikel: Die Welt ist nicht genug.

Endemol bringt Big Brother auf Second Life

Endemol spielt wieder Big Brother. Diesmal jedoch nicht im Fernsehen und damit ziemlich real, sondern rein virtuell in dem Computerspiel Second Life.

15 Personen haben die Chance 1300 Euro zu gewinnen, wenn sie einen Monat Big Brother am Computer spielen. Der Preis ist um einiges geringer als im Fernsehen, doch am Computer ist das ganze wahrscheinlich weniger entblößend - und deswegen weniger Aufsehen erregend.

Via: El País

Ätsch, Wikipedia! Investigativer Journalismus oder feuilletonistischer Vandalismus bei der SZ?

Die Offenheit der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist der entscheidende Motor für das rasante Wachstum der letzten Jahre. Dass diese Offenheit auch die Hauptursache für die zahlreichen Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsprobleme des kollaborativ erstellten Nachschlagewerks ist, spricht sich langsam aber sicher herum.

Im Feuilleton der Süddeutsche Zeitung wurde diese Problematik kürzlich zum Topthema, unter dem Titel "Im Daunenfederngestöber" wird erläutert, wie anfällig die Enzyklopädie für Falschinformationen und Vandalismus sei.

Um dies für die Leser zu veranschaulichen, hat man sich in der SZ-Redaktion selbst in die Rolle des hinterlistigen Wiki-Vandalen versetzt und 17 Fehler in verschiedenen Wikipedia-Artikeln untergebracht, von denen fünf bis zum Erscheinen des SZ-Artikels unerkannt blieben.

Dass Wikipedia anfällig für vorsätzliche Fälschungen ist, dürfte von kaum jemandem angezweifelt werden: So genannte "Nihilartikel" - etwa die fiktive Biographie des unehelichen Goethe-Sohns Ferdinand Julius Hidemann - haben bis zu ihrer Entdeckung monatelang im Artikelraum der Wikipedia überlebt.

In diesem Zusammenhang sei aber auch die Frage erlaubt, inwiefern das absichtliche Einbauen von Fehlern in ein gemeinnütziges Projekt dem Anspruch einer renommierten deutschen Tageszeitung entspricht. Ist dies noch investigativ oder schon ein bisschen kindisch?

Schließlich wäre es auch möglich, die Qualitätsproblematik anhand bestehender Fehler zu thematisieren, wie dies z.B. vom ehemaligen Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica Robert McHenry in seinem viel diskutierten Artikel "The Faith-Based Encyclopedia" gemacht wurde.

Vorsätzliche Falschinformationen werden immer ein Problem für die Qualität von Wikipedia bleiben, solange sie anonymen Benutzern Bearbeitungsrechte gewährt. Wenn solche Fehler allerdings absichtlich von Redakteuren eingestreut werden, sind sie möglicherweise auch ein Problem für die Qualität des Journalismus.

Zines statt Blogs?

Die Zeit meint, Blogs sind schon von gestern. Der neue Trend heißt zines und schwappt aus Großbritannien auf uns zu: Schon dein "Zine" gemacht?

Ein Abgesang auf das Web 2.0

Wirtschaftlicher Erfolg mit Web 2.0 ist schwierig, meint Spiegel Online: Die Blase 2.0

Allez les Blogs: Konferenz Le Web 3 in Paris

Am 11. und 12. Dezember findet die große Konferenz Le Web 3 (Les Blogs) in Paris statt. Das Programm ist hier erhältlich. Anmelden kann man sich - für 300 Euro - hier.

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