"Medien 2.0": Ergebnisse eines Workshops

Vom 28. bis 29. September 2006 fand in Frankfurt am Main der Workshop "Medien 2.0" statt, der von der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert worden war. Dort wurde über das Phänomen Web 2.0 und dessen Auswirkungen diskutiert.

Auf der Webseite der BpB sind Ergebnisse und Statements zusammengefasst. So erklärt zum Beispiel Spreeblick-Gründer Johnny Häusler sein Geschäftsmodell:

Wir schöpfen aus vier bis fünf verschiedenen Einnahmequellen. Ich hoffe, auf dieser Basis in einigen Monaten eine kleine Redaktion mit rund fünf Leuten aufbauen zu können.

Spiegel-Online-Redakteur Christian Stöcker über die Diskussion, ob Blogs Journalismus sind:

Hier wird eine Geisterdebatte geführt: Blogger bezeichnen sich in der Regel nicht als Journalisten, sie schimpfen eher über sie.

via: www.onlinejournalismus.de

IE7: Microsoft Internet Explorer 7 ist da - und die erste Sicherheitslücke auch?

Nach der Veröffentlichung des Internet Explorers 6 im Jahr 2001 lehnte man sich bei Microsoft erst einmal zurück: Bei zeitweise über 90 Prozent Marktanteil wiegte man sich in Sicherheit und löste schließlich das Entwicklerteam auf.

Doch dann kam Firefox und für immer mehr Internetnutzer eine komfortable Open-Source-Alternative. Vor allem neue Funktionen wie das "Tabbed Browsing" ließen den betagten IE6 so alt aussehen, wie er nun einmal auch schon ist. Mit dem heute veröffentlichten Internet Explorer 7 reicht Microsoft nun dieses Feature nach - und zusätzlich auch noch einige andere, z.B. ein Eingabefeld für Suchmaschinen und eine Zoom-Funktion.

Ursprünglich sollte der neue Browser zusammen mit Windows Vista ausgeliefert werden, nach drei Betaversionen und einem Release-Kandidaten steht die englischsprachige Version des IE7 seit heute für Windows XP mit Service Pack 2, Windows XP Professional x64 sowie Windows Server 2003 mit Service Pack 1, Windows Server 2003 x64 und Windows Server 2003 IA64 zum Download bereit.

Ab November sind von Microsoft automatische Updates geplant. Angesichts erster Meldungen über Sicherheitslücken sollten sich Internet Explorer-Nutzer allerdings überlegen, das automatische Update zunächst einmal zu verhindern. Wie das geht, kann man z.B. bei heise.de nachlesen. Oder man hält Ausschau nach Alternativen, denn der Zeitpunkt für den Umstieg ist günstig: Schließlich lugt Firefox 2 schon um die Ecke.

Münchner Medientage 2006

Die Münchner Medientage sind vom Web 2.0-Wahn ergriffen. Doch statt die Chance zu nutzen, ernsthaft darüber zu diskutieren, werden wieder einmal nur Experten eingeladen, die alle das gleiche sagen.

Mehr dazu unter: Medientage 2006: Zurückhaltung im Web 2.0-Wahn

Was bedeutet der Wikipedia-Klau von AFP?

Am Tag der deutschen Einheit hat die Nachrichtenagentur AFP von Wikipedia abgeschrieben. Als in Pennsylvania ein Familienvater fünf Mädchen in einer Amish-Gmeinde getötet hatte, wollte die Welt erfahren, was die Religionsgemeinschaft eigentlich genau ist. AFP sendete ein Hintergrundstück, das fast wörtlich mit dem Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia übereinstimmte. Nachrichtenmagazine wie Spiegel Online veröffentlichten anschließend den Text, ohne ihn als Wikipedia-Artikel zu kennzeichnen.

Während Spiegel Online den Artikel im Nachhinein als Wikipedia-Beitrag kenntlich machte, wollte AFP die Meldung nicht zurückziehen.

Der Fall zeigt zweierlei: Zum einen wird einmal mehr deutlich, für wie verlässlich Wikipedia bereits gesehen wird, dass selbst professionelle Journalisten die Texte (ungeprüft) übernehmen. Journalisten nutzen Wikipedia nicht mehr als Teil der Recherche oder erste Anlaufstelle. Nein: sie nutzen inzwischen ausschließlich das Online-Lexikon.

Zum zweiten wird leider auch deutlich, unter welchen Bedingungen Journalisten in Deutschland inzwischen arbeiten müssen. Gerade an Wochenenden und am Feiertag - wie auch am 3. Oktober - sind die Redaktionen stark unterbesetzt. In manchen Online-Redaktionen großer Tageszeitungen hat an einem solchen Tag nur ein Mitarbeiter Dienst. So ist es nur eine logische Folge, dass solche Patzer passieren.

Für den guten Ruf der deutschen Presselandschaft sind solche Ausrutscher nicht förderlich. Selbst amerikanische und französische Blogger wurden auf den Fall "AFP und Wikipedia" aufmerksam.

Wider der Abmahnung: Informationen für Blogger

Was darf man und was nicht? Professionelle Journalisten lernen meist in Kursen, wo presserechtliche Schranken liegen, oder haben einen vernatwortlichen Redakteur, der für sie die Stellung hält. Angesichts der vielen Abmahnungen in den vergangenen Wochen ist ein wenig Vorsicht geraten.

Spreeblick hat dazu einige nützliche Informationen zusammengestellt: Darf ich das bloggen?

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es bei: IRights - Urheberrecht in der digitalen Welt.

OpenBC heißt bald XING

Noch in diesem Jahr wird die Business-Plattform OpenBC in Xing umbenannt. In einer Mitteilung heißt es:

Warum XING? Unsere Community ist seit ihrer Gründung immens gewachsen. Die Bezeichnung als "Business Club" ist nicht mehr ganz zutreffend: Sicher sind Unternehmer und Geschäftsleute immer noch ein wichtiger und geschätzter Teil unserer Community. Daneben gibt es inzwischen eine große Gruppe an Fachleuten aus den verschiedensten Branchen, wie z. B. Wissenschaftler, Kreative oder Akademiker. Unsere Mitglieder kommunizieren auf der Plattform in sechzehn Sprachen. Daher haben wir nach einem Markennamen gesucht, der weltweit, in verschiedenen Kulturen verstanden wird – und haben ihn mit XING gefunden! Der Name "XING" ist für mich kosmopolitisch, innovativ und einzigartig – genau wie unsere Community!

Außer kleinen Änderungen an der Navigation und dem Layout ähnelt XING der alten Plattform gewaltig. Unter http://introducing.xing.com/ceo-video.var kann man es sich schon einmal ansehen.

NPD plant Sendungen auf YouTube

Lange hatte sich die NPD gegen das Web gesträubt: Eine imperialistische Erfindung aus Amerika sei es. Doch nun versucht die rechtsextreme Partei, das Web 2.0 für sich zu nutzen.

Auf YouTube will die NPD von Herbst an eine Wochenschau starten, die stark - von der Optik - an die ARD-tagesschau erinnert, so Spiegel Online.

Medienkompetenz und kritische Rezeption: Wikipedia in der Schule

Gedruckte Nachschlagewerke kommen bei Schülerinnen und Schülern immer mehr aus der Mode. Auf die Schnelle "zusammengegoogelte" Referate und Thesenpapiere, die dem entsprechenden Wikipedia-Artikel zum Verwechseln ähnlich sehen, dürften mittlerweile weit verbreitet sein und zum schulischen Alltag gehören:

In einer unter Schülern einer 12. Jahrgangsstufe durchgeführten Umfrage hatten 63 Prozent der Befragten angegeben, Wikipedia oder Google seien ihre erste Wahl unter den Informationsquellen zur Unterrichtsnachbereitung. Gedruckte Nachschlagewerke landeten hingegen bei nur 21 Prozent.
(Quelle: wikimedia.de)

Um eine kritische Nutzung von Online-Quellen zu fördern, fand am Freitag, den 22. September 2006 am Hildesheimer Gymnasium Adreaneum ein Aktionstag mit vielen Workshops für Schüler der 12. Jahrgangsstufe, Lehrer und interessierte Eltern statt, wobei speziell die Wikipedia-Nutzung im Zentrum des Interesses stand.

Aufklärungsarbeit über die Funktionsweise des auf inhaltlicher wie auf sozialer Ebene komplexen Wikipedia-Projekts scheint auch dringend geboten, will die Online-Enzyklopädie nicht letztlich von ihrem überwältigenden Erfolg überrannt werden.

Denn die teilweise stark divergierende Qualität der gemeinschaftlich erstellten Artikel ist seit jeher das Hauptargument der Wikipedia-Kritiker, die das kostenlose Nachschlagewerk gerne auch mal mit einer öffentlichen Toilette vergleichen. Schließlich wisse man in beiden Fällen nie, wer vorher schon alles da war, wie der ehemalige Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica Robert McHenry bereits 2004 polemisierte:

The user who visits Wikipedia to learn about some subject, to confirm some matter of fact, is rather in the position of a visitor to a public restroom. It may be obviously dirty, so that he knows to exercise great care, or it may seem fairly clean, so that he may be lulled into a false sense of security. What he certainly does not know is who has used the facilities before him.
(Robert McHenry: The Faith-Based Encyclopedia, 2004)

Zwar geht McHenrys Kritik ein wenig am Ziel vorbei, da sich prinzipiell jede Änderung eines Wikipedia-Artikels (und damit die vollständige Textgenese) über die Versionsgeschichte nachvollziehen lässt - dennoch dürfte diese grundsätzlich vorhandene Transparenz bei der schnellen Suche nach Informationen im Netz nur selten genutzt werden. (Mehr zur technischen Funkionalität von Wikis.)

So steht den kritischen Stimmen von Fachleuten und den Verfechtern klassischer Enzyklopädien eine rasant wachsende alltägliche - und v.a. pragmatisch orientierte - Nutzung der Wikipedia gegenüber, die sich natürlich auch an den Schulen und Universitäten massiv niederschlägt.

Die Förderung von Medienkompetenz im Umgang mit kollaborativ erstellten Textformen, an deren Produktionsprozess Experten ebenso wie Laien, anonyme, pseudonyme und möglicherweise auch kontraproduktiv agierende Autoren beteiligt sind, wird in Zukunft einen wesentlich höheren Stellenwert in den Lehrplänen einnehmen müssen.

Zu einer kritischen Rezeption von Wikipedia-Artikeln gehört vor allem ein Bewusstsein dafür, dass sich durch die Produktionsbedingungen in Online-Medien auch Falschinformationen leicht weitervererben können (man denke an die beliebte Texterstellung per copy/paste oder an die mögliche "Mitübersetzung" von Fehlern aus fremdsprachigen Wikipedia-Ablegern).

Medienkompetenz im Umgang mit Wikipedia-Quellen beweist sich nicht zuletzt auch durch das Wissen um die Möglichkeit, im Zweifelsfall einen Blick auf die Hintergründe der Textproduktion werfen zu können: So sind die Diskussionsseiten zu kontroversen Themen manchmal sogar aufschlussreicher als die Artikel selbst.

Diese Transparenz der Produktionsbedingungen kann vielleicht sogar als entscheidender Mehrwert gegenüber statischen Enzyklopädien betrachtet werden - wenngleich die Praxis anonymen und pseudonmyen Publizierens bei Wikipedia im Extremfall zu einem regelrechten Kommunikationschaos führen kann. (Vgl. Troll oder nicht Troll?: Der Fall "Thomas7"). Hinter dem einzelnen Wikipedia-Artikel - der als Konsensprodukt dem Gebot der Neutralität unterliegt - verbirgt sich meist ein vielstimmiger Chor unterschiedlicher Meinungen und damit oftmals ein hohes Konfliktpotential. Auch diesen Aspekt kollektiven Schreibens gilt es an den Schulen zu vermitteln.

Unabhängig von wiederkehrenden Qualitätsdiskussionen wird die Online-Enzyklopädie Wikipedia weiter expandieren und sich zum weltweit meistgenutzten Nachschlagewerk entwickeln. Angesichts dieser Tendenz kann man nur hoffen, dass der Hildesheimer Aktionstag - im wörtlichen Sinne - bald Schule machen wird.

Die Zeit und das Web 2.0

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Die Zeit beschreibt seit nun drei Wochen in jeder Ausgabe den Web-2.0-Boom. Mit einem ganzen Dossier über Wikipedia ging es los. Es folgten sieben Thesen über das Web 2.0 und ein Artikel über YouTube und MySpace. Heute ist ein Interview mit Tim O'Reilly erschienen. (In der Print-Ausgabe ist das Interview in einer anderen Fassung abgedruckt.)

Blogstipendiaten von jetzt.de stehen fest

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Die Gewinner des jetzt-Blog-Stipendiums sind bekannt. 300 Euro im Monat erhalten zukünftig: Rose.jetzt.de, Netzpolitik.org, Jackpot Baby!, Yet Another Indie Disco und Bloggen für den Weltfrieden von Nilz Bokelberg.

Der Gewinn von Ex-Viva-Moderator Nilz Bokelberg überrascht ein wenig. Schließlich besitzt er bereits große Medienerfahrung und es scheint fraglich, ob er die Förderung unbedingt benötigt.

Auf jetzt.de stellen sich die Blogstipendiaten vor.

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