"Sie werden von der Rechtssprechung diszipliniert werden" - Medienrechtler Fricke über die BILD-Leserreporter

Welche rechtlichen Probleme sehen Sie für die BILD-Leserreporter?
Ernst Fricke: Das gesamte Zivil- und Strafrecht gilt natürlich auch für sogenannte BILD-Leserreporter. Da die BILD-Zeitung den Leserreporter nicht ausdrücklich bevollmächtigt und beauftragt hat, ist keine sogenannte "Haftungskette" gegeben, nach der über §278 BGB ein Schuldner auch für ein Verschulden seines Erfüllungsgehilfen haftet. Auch die Haftungsprivilegierung nach §831 BGB für den sogenannten Verrichtungsgehilfen greift hier nicht.

Wie wird sich das Phänomen entwickeln?
Ernst Fricke: Meine Prognose ist, dass die BILD-Leserreporter von der Rechtssprechung diszipliniert werden und dies dann dem Treiben vielleicht Einhalt gebieten kann.

Was bedeutet der neue Schwarm von Bürger-Paparazzis für die Privatsphäre von Prominenten?
Ernst Fricke: Die Strafvorschrift des § 201 a ) StGB gilt natürlich auch für die BILD-Leserreporter. Der neue § 201 a) StGB gilt seit 30.07.2004 und gilt natürlich in erster Linie für die unerlaubte Herstellung von Bildern, in zweiter Linie aber auch für die unbefugte Veröffentlichung. Hier wird die BILD-Zeitung also selbst abwägen müssen, ob Sie Ermittlungsverfahren durchstehen kann und durchstehen will.

Es droht natürlich auf dem Umweg über diese BILD-Leserreporter wiederum eine Verletzung der Privatsphäre von Prominenten. Die Rechtssprechung ist hier ziemlich klar und gilt natürlich auch für BILD-Leserreporter.

Was halten Sie von den Leserreporter-Presseausweisen, die die Bild-Zeitung eben eingeführt hat?
Ernst Fricke: Der Leserreporter-Presseausweis ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wird. Der "echte" Presseausweis ist aufgrund von Übereinkünften der Innenministerkonferenz mit den journalistischen Berufsverbänden zustande gekommen. Seine Vergabe erfolgt nur an hauptamtlich tätige Personen.

Der große Klick - wie die Bild ihre Leser-Reporter in Gefahr bringt

Thomas Gottschalk schwitzt in braunem Trainingsanzug beim Nordic Walking, Bahnchef Hartmut Mehdorn ist im Flugzeug eingenickt und Alt-Kanzler Gerhard Schröder sonnt sich in Badehose auf Borkum. Diese Fotos hätte Deutschland nie zu sehen bekommen, zöge nicht seit zwei Monaten eine große Schar von Laien-Paparazzis durchs Lande. Bild-Leserreporter heißen diese offiziell. Europas größte Zeitung spendiert ihnen 500 Euro für jedes Foto, das veröffentlicht wird.

Bild-Leser sollen sich nicht mehr bloß damit begnügen, die Brüste der Seite-1-Mädchen anzugucken, die Zeitung auf der Suche nach Informationen über Schumi durchzublättern oder über unsere Politiker zu schimpfen. Bild macht sie zu Fotografen und hat dabei wohl vor allem zwei Ziele: billig an Promi-Bilder zu kommen und durch Provokation Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch was passiert, wenn ein ganzes Land sich – getrieben von Geldgier und Ruhmsucht – auf Promijagd begibt? Wird so der Traum von einem alle Leser einbeziehenden demokratischen Journalismus wahr oder geraten die Leserreporter in eine juristische Falle?

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) Michael Konken sagt: "Es liegt der Schluss nahe, dass es beim Einsatz der Leserreporter den Verlagen um die Einsparung von Personalkosten ihrer Redakteure geht." Dies schade den Bildjournalisten. Dem widerspricht die Saarbrückener Zeitung, die Leser animiert, als Reporter tätig zu werden. Seit es Leserreporter gibt, so Chefredakteur Peter Stefan Herbst, würden die Redakteure und Fotografen Extraaufträge erhalten. Außerdem seien Redakteure nötig, um die Leserhinweise zu bearbeiten.

Blitzte der Busen eines prominenten Stars unter der Bluse hervor?

Mehr als 500 Leser schicken angeblich täglich Fotos an Bild. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann meint: "Der Leserreporter bringt den Journalismus nicht in Misskredit, sondern ist eine fundamentale Erweiterung journalistischer Arbeit." Auf der Homepage von Bild und in der Zeitung selbst werden Leser aufgefordert, eigene Fotos einzusenden. Derzeit heißt es recht brav und vage:

"Respektieren Sie bei Ihren Foto-Aufnahmen die Privatsphäre anderer Menschen. Behindern Sie nicht die Arbeit von Polizei oder Rettungsdiensten. Wer uns ein Foto schickt, erklärt, sämtliche Rechte hieran zu besitzen, und überträgt der Axel Springer AG alle Rechte zur Veröffentlichung in allen Medien – zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterveräußerung. Bei Weiterveräußerung erhält der Urheber von der Axel Springer AG 50% der erzielten Nettoverkaufserlöse."

Noch vor ein paar Tagen stand an selber Stelle in gewohnter Bild-Manier:

"Hat ein Prominenter in Ihrer Gegenwart in der Nase gebohrt? Blitzte für Sekunden der Busen eines prominenten Stars unter der Bluse hervor? Wurden Sie Zeuge eines Großbrandes oder eines Unfalls? Dann machen Sie 'klick'. Schicken Sie das Foto an Bild."

Auch andere Zeitungen wie der Südkurier oder die tz fordern Leser auf, Beiträge oder Bilder einzusenden. Auf der Online-Plattform von Focus und View, dem Fotomagazin vom Stern, erscheinen Leser-Fotos. Neu ist das Phänomen nicht. Die norwegische Zeitung VG macht seit einigen Jahren vor, wie es gelingen kann, Leserbetiräge einzubinden. Und bereits 1967 gab es in der Jugendzeitschrift Bravo die Rubrik "Bravo-Leser als Bravo-Reporter". Nun hat auch die Bild entdeckt: Wir sind Journalist.

"Die Frau tat mir zutiefst leid"

Doch: Zerstören Leserreporter das Verhältnis zwischen Journalisten und Prominenten? Es sei zu befürchten, dass nun noch mehr Prominente ihre Pressekontakte auf Anwaltsschreiben und Gerichtsverhandlungen beschränkten, heißt es vom DJV. Prominentenanwalt Christian Schertz meint in der ZDF-Sendung Frontal:

"Für mich ist dies eine neue Verrohung im Boulevardjournalismus, weil jetzt massenhaft dazu aufgefordert wird, Rechtsbrüche zu begehen."

Persönlichkeitsrechte werden unter den Tisch gekehrt. Seit dem Caroline-Urteil ist es nur dann gestattet, Fotos aus dem Privatleben von berühmten Personen zu veröffentlichen, wenn diese zugestimmt haben. Viele Hobbyfotografen wissen darüber nicht Bescheid.

Entertainer Harald Schmidt äußerte sich in einem WDR-Interview über seine Begegnung mit einer Bild-Leserreporterin folgendermaßen:

"Die Frau kam auf mich zugelaufen und tat mir zutiefst leid. Sie trug selbstabgeschnittene Jeans, so Hotpants, und hatte Krampfadern von WDR-Kugelschreiberstärke, in WDR-Blau. Sie zu mir: 'Hallo, Herr Schmidt, darf ich ein Foto von Ihnen machen? Mein Sohn traut sich nicht.' Und dann hab ich dieses Foto in Bild gesehen. 500 Euro dafür, das war wahrscheinlich deren halber, oder vielleicht sogar deren ganzer Urlaub. Und da dachte ich: Ist okay."

Andere nehmen den Fall Leserreporter ernster. Der Fußballnationalspieler David Odonkor war angeblich beim Urinieren auf einem Parkplatz abgelichtet, sein Kollege Lukas Podolski beim Einkaufen auf Mallorca und Joschka Fischer in ähnlich privater Umgebung. Sie haben über ihren Anwalt Christian Schertz mit Unterlassungserklärungen geantwortet, zwei von ihnen mit einstweiliger Verfügung. Schertz sagte dem journalist, er prüfe in einem Fall sogar, gegen den Fotografen selbst vorzugehen. Werden die Leserreporter von Bild den Anwälten zum Fraß vorgeworfen?

Den Anwälten zum Fraß vorgeworfen?

Presserechtlich ist der Verlag für die Abdrucke verantwortlich. Doch unter bestimmten Umständen kann auch der Fotograf selbst verklagt werden. Schertz kann sich Schmerzensgeldzahlungen für die Leserreporter im fünfstelligen Bereich vorstellen.

Vor zwei Wochen hat Bild noch eins draufgesetzt: Die Zeitung verschickt Bild-Presseausweise an jeden, der ein Foto einsendet. Michael Konken vom DJV dazu:

"Dieses Vorhaben schadet der Akzeptanz des bundeseinheitlichen Presseausweises für hauptberuflich tätige Journalisten ebenso wie dem Ansehen der Journalisten. Ich appelliere an die Verantwortlichen des Springer-Konzerns, den Ausweis für die Leserreporter wieder einzustampfen."

Weit werden die Bild-Leserreporter mit dem Ausweis wohl nicht kommen. Doch neue Aufmerksamkeit und Provokation ist dem Springer-Blatt durch diese Aktion sicher.

Noch Kandidaten für BOBs-Award der Deutschen Welle gesucht

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Es werden noch Kandidaten für die International Weblogs Awards "Best of the Blogs" (BOBs) der Deutschen Welle gesucht.

Über das Eingabeformular können Sie bis zum 30. September 2006 ein Weblog oder einen Podcast für eine der 15 Kategorien vorschlagen: Best Weblog, Best Corporate Blog, Best Podcast, Blogwurst Award, Best Weblog/Sprache und dem Reporter ohne Grenzen Award. Die Auszeichnung für das "Best Weblog/Sprache" wird jeweils in zehn Sprachen vergeben.

Allzuviele Blogs sind noch nicht in der Liste. Bisher sind nur 26 Podcasts vorgeschlagen - und 36 Weblogs auf Französisch. Vielleicht also einfach den Google-Translater über die Seite laufen lassen, um die Gewinnchancen zu erhöhen.

Der Gewinner im vergangenen Jahr kam aus Spanien: Más respeto, que soy tu madre. Auf der Seite wird allerdings nicht mehr gebloggt. Die Gewinner 2006 werden am 11. November in Berlin bekanntgegeben.

Bedroht lonelygirl15 das Web 2.0?

Eigentlich war klar, dass da etwas nicht stimmen kann, mit dem Mädchen auf YouTube. Nun hat die Los Angeles Times
herausgefunden: lonelygirl15 ist gar nicht echt, sondern eine Marketingstrategie.

lonelygirl15 filmte sich immer perfekt geschminkt und gekleidet, ihre Geschichten waren von einer herzzerreißenden Sehnsucht. Eine halbe Million Menschen schaute ihre Filme auf YouTube.

Auf Spiegel Online heißt es:

Schon im Juni war in Diskussionsrunden erstmals das Stichwort "Blair Witch Project" gefallen. Sollte es möglich sein, dass das alles eine riesige Fälschung war? Dass da jemand ganz gezielt die YouTube-Community aufs Glatteis führte? Dass Bree nichts anderes sei als eine Marketing-Aktion für irgendein abgefahrenes Horrorstück?

Und weiter:

Ende August fanden drei findige YouTube-Mitglieder heraus, dass es auf den Namen lonelygirl15 sowohl eine Webseiten- als auch eine Markenzeichen-Registrierung gab. Erstere datierte auf einen Zeitpunkt zurück, bevor Bree auch nur ihr erstes Video veröffentlicht hatte. Jetzt begann die Stimmung zu kippen.

Die Recherchen führten zu einer Agentur in Hollywood, Los Angeles: Von dort aus schienen E-Mails zu kommen, die in Brees Namen verschickt wurden. Am Donnerstag fasste die "Los Angeles Times" die Erkenntnisse der drei YouTuber in einem Artikel zusammen - und ließ es raus: Lonelygirl15 ist eine Fälschung.

Ist damit die Glaubwürdigkeit von YouTube zerstört - oder gleich die des ganzen Web 2.0?

Spiegel Online: Redesign beim Roten Riesen

Dass Spiegel Online eigentlich ein Blog sei, hat Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron bereits letztes Jahr erklärt. Nicht wenige wunderten sich darüber, denn auf spiegel.de war davon nicht viel zu merken.

Nun hat man die Seite grundlegend umgestaltet und auch dieses Mal ist von Bescheidenheit nur wenig zu spüren. Vollmundig verkündet die Redaktion:

Alle reden von Web 2.0 - SPIEGEL ONLINE ist schon viel weiter: Ab heute sehen Sie Ihre Seite in neuem Layout, mit neuen Features, in neuer Qualität und Übersichtlichkeit.

Auffälligster Unterschied ist auf den ersten Blick die Verlagerung der Hauptnavigation von der Vertikalen in die Horizontale, wodurch das Design tatsächlich an Übersichtlichkeit gewinnt und nicht mehr so gedrängt wirkt wie beim alten Layout.

Das Forum ist prominenter platziert als zuvor, doch von typischen Blog-Features fehlt auch weiterhin jede Spur. SpOn-intern wird fleißig verlinkt, Links nach draußen findet man kaum (mit Ausnahme des Ressorts "Netzwelt", aber dort keine externen Links zu setzen wäre irgendwie absurd).

Ebenfalls neu sind ein Multimedia-Ressort mit Videos und die automatische Verschlagwortung der wichtigsten Themen des Tages.

Irgendwie weiß zwar niemand so genau, was das Phänomen "Web 2.0" ausmacht, doch es darf stark daran gezweifelt werden, dass das neugestaltete Spiegel Online tatsächlich "schon viel weiter" ist. Denn das vielgepriesene Leser-Forum kann man im Rahmen der Online-Kommunikation eher als alten Hut bezeichnen.

Im Forum ist man über den Relaunch natürlich geteilter Meinung. Positiv wird v.a. erwähnt, dass die Hauptseite nun mit viel weniger aufdringlicher Werbung daherkommt. Ob das wohl lange so bleibt?

Mehr als die Hälfte aller Deutschen arbeitet am Computer

57 Prozent der Arbeitnehmer benutzen im Job einen PC, teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) unter Berufung auf Zahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat mit.

Erstmals ist damit die Marke von 50 Prozent überschritten worden. Deutschland liegt dabei weit über dem EU-Durchschnitt von 49 Prozent. Mit Internetzugang am Arbeitsplatz arbeiten inzwischen 40 Prozent der deutschen Beschäftigten, nach 29 Prozent im Vorjahr.

"Die jüngsten Entwicklungen sind ein gutes Signal für die technologische Modernisierung in Deutschland", erklärt Bitkom-Vizepräsident Jörg Menno Harms. Von der Computerisierung würden insbesondere Frauen und Männer profitieren, die Kind und Karriere unter einen Hut bringen wollen, da sie von zu Hause aus arbeiten können.

Wikipedia in China: Jimbo Wales bleibt hart

Jimmy Wales, Gründer des Online-Lexikons Wikipedia, hat erklärt, dass er sich nicht der Zensur in China unterwerfen werde, wie es andere Webseiten gemacht haben. Wikipedia wird seit Oktober in China blockiert. Chinesische Internetnutzer sind gezwungen, "Klone" von Wikipedia aufzurufen.

Auf einem Treffen mit Wikipedianern in Hongkong, wo die Webseite zugänglich ist, erklärte Wales, er sei nicht bereit, seine Unabhängigkeit aufzugeben. Er sagte:

"One of the things deeply important to me, and to the entire Wikipedia community, is that whatever we do to become accessible in China, it not be viewed as what Google has done in compromising censorship."

Und weiter:

"But it is not acceptable for us to do something to make sure the Chinese government authorises every edition of everything that comes out."

Die chinesisch-sprachige Version von Wikipedia ist einer der größten Ableger der englischen Version. Sie beinhaltet mehr als 85.000 Artikel, 2,7 Millionen Seiten und 15.000 Bilder. Sie wächst jeden Monat um neun Prozent, obwohl die meisten chinesisch-sprachigen Menschen sie nicht aufrufen können.

Das Netz der Spinne: Google auf Expansionskurs

Ist das der Beginn einer erfolgreichen Partnerschaft? Google-Chef Eric Schmidt ist am Mittwoch in den Aufsichtsrat der Computerfirma Apple gewählt worden. Hendrik Speck, Professor für Informatik an der Fachhochschule Kaiserslautern, sieht darin einen ersten Schritt für eine engere Zusammenarbeit der beiden Hauptkonkurrenten des Software-Riesen Microsoft. "Es ist sicher mehr als eine personelle Verflechtung. Google könnte nun für das Online-Musikportal 'I-Tunes' werben. Ein Markt mit großer Zukunft." Speck hält es für möglich, dass Apple auf seinen Rechnern Programme von Google vorinstalliert.

Google fiel bereits in den vergangenen Wochen durch große Expansionen auf: Am Dienstag hatte der Marktführer unter den Suchmaschinen angekündigt, im Herbst eine Anzeigenkooperation mit dem Online-Auktionshaus Ebay zu starten. Von 2007 an wird Google die Werbung für "MySpace" organisieren. Auf der Community-Seite haben bereits mehr als 100 Menschen ein eigenes Profil angelegt. Google könnte die persönlichen Daten der Nutzer werbestrategisch nutzen.

Auch mit dem Musiksender MTV hat Google eine Kooperation abgeschlossen. Künftig sind Videos von MTV auf gewöhnlichen Homepages zu sehen - untermalt mit Anzeigen von Google.

Google versucht zudem, Einfluss auf dem Markt für Unternehmenssoftware zu gewinnen. Der Konzern gab bekannt, dass es neben dem Mailprogramm "Gmail" nun auch einen Kalender, ein Programm zur Erstellung von Webseiten und ein Tabellenkalkulationsprogramm gibt. Die Angebote sind kostenlos, da sie sich über Werbung finanzieren.

Speck überrascht die Expansion nicht: "Es ist logisch, dass Google neue Geschäftsfelder sucht." Der Konzern erreiche mit seiner Suchmaschine bereits knapp 90 Prozent aller Internetnutzer. Das Wachstumspotential sei somit fast erschöpft. Mitarbeitern der Firma stehen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit zu Verfügung, sich der Entwicklung neuer Geschäftsideen zu widmen. Dies ist Teil der innovativen Firmenstrategie.

Durch eine enge Kooperation von Apple und Google würde sich die Schlacht der großen Firmen im Internet weiter verschärfen: Apple und Microsoft führen schon seit längerem eine Art Kreuzzug. Doch auch die Konkurrenz zwischen Google und Microsoft wird immer größer.

Während Google versucht, mit seinen Softwareangeboten in Domänen der Konkurrenzfirma einzudringen, hat Microsoft die Suchmaschine Vista gestartet. Speck glaubt, dass die Strategie von Google nur dann erfolgreich sein kann, wenn es dem Unternehmen gelingt, durch sein Image die Benutzer zu überzeugen, auf seine Angebote umzusteigen.

"Doch das ist schwierig", sagt Speck. "Bei fast allen sind die Programme von Microsoft vorinstalliert. Und die Masse ist faul und träge." Der Sitz im Aufsichtsrat von Apple könnte der Anfang sein, großflächig Software über Apple-Computer zu verbreiten - und den Monopolisten Microsoft anzugreifen.

Der Ober-Wikipedianer

Wer der König von Mallorca ist, gehört leider inzwischen zur Allgemeinbildung. Genauso wie die Tatsache, dass Deutschland keinen König mehr hat. Doch nun hat die österreichische Zeitung Der Standard einen Text über den König von Wikipedia geschrieben: Simon Pulsifer. Er hat die meisten Beiträge für das Online-Lexikon verfasst.

Der 24-jährige Kanadier hat bereits 2000 bis 3000 Eigenbeiträge verfasst und mehr als 80.000 Wikipedia-Einträge überarbeitet. Von sich aus bezeichnet er sich als Nerd, Stubenhocker und Streber, so ist zu lesen. Über seine Motivation, täglich zehn Stunden für Wikipedia zu schreiben, sagt er: "Ich finde es faszinierend, dass Millionen sofort lesen können, was ich geschrieben habe." Und früher einmal: "It's important that people around the world have access to free, accurate and unbiased information. Wikipedia tries to do that, and it's a very honourable and admirable goal."

Der Standard-Artikel wurde von der in Kanada lebenden Korrespondentin Bernadette Calonego geschrieben, die auch für die SZ arbeitet. Mit Web 2.0 kennt sie sich nicht sonderlich gut aus und so beschränkt sich der Text auf Klischees wie "Jemand wie Pulsifer hat keine Freundin". Interessanter und mit Links zu anderen Artikeln ist dagegen die Wikipedia-Seite über Pulsifer.

Haben wir Angst vor der Dotcom-Blase?

Warum hängt Deutschland beim Web2.0-Boom hinterher?, fragt Focus Online in seinem Artikel Angst vor der Dotcom-Blase - und Autorin Jessie Seyfer sucht nach Gründen.

Der befragte Mario Sixtus meint:

"Dann kam das Internet, und auf einmal hieß es: 'Ich will nicht den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen.' Wenn etwas Neues kommt, gibt es hierzulande immer viel Skepsis."

Gründe seien auch die Schwierigkeiten in Deutschland, Risikokapital zu bekommen. Doch auch der Focus bleibt am Ende schüchtern:

Auf lange Sicht könnte diese extreme Vorsicht allerdings zur Tugend werden – besonders, wenn es am Ende des Tages um Profitabilität geht. In den USA wird Web 2.0 so hochgejubelt, dass sich nüchterne Beobachter längst fragen, ob die Dotcom-Blase zurückgekehrt ist: viel Hype, kaum Gewinn.

Da jedoch die Investitionskosten in Web2.0-Projekte vergleichsweise niedrig sind, ist die deutsche Vorsicht nicht ganz nachzuvollziehen. Ist Vorsicht wirklich immer besser als Nachsicht?

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