Der Fall Joe Lieberman in der FAZ

Die FAZ resumiert den Fall, wie amerikanische Blogger dem Demokraten Joe Lieberman eine Wahlniederlage bescherten.

Jürgen Kalwa schreibt in "Die Königsmacher":

Wie groß der Einfluß von Bloggern wie Bob Adams und ihren täglich immer weiter anschwellenden Mitteilungsseiten im Internet mit so phantasievollen Namen wie „My Left Nutmeg“ oder „Spazeboy“ auf den Ausgang der Vorwahlen war, kann niemand genau sagen. Doch unbestritten ist ihre Rolle als Cheerleader und Multiplikatoren, die schon früh den politischen Nobody Lamont unterstützten und ihm so eine Plattform gaben, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. „Meiner Ansicht nach haben sie die ganze Sache ins Rollen gebracht“, sagt der Demoskop Douglas Schwartz von der Quinnipiac University.

Schon im Dezember 2002 demonstrierten die Blogger in den USA ihre Macht als Citizen Media: US-Senator Trent Lott hatte sich auf einer politischen Veranstaltung rassistisch geäußert. Während andere Medien dies nicht weiter verfolgten, wurde im Internet die Berichterstattung auf Weblogs so lange aufrecht erhalten, bis die traditionellen Medien doch über Lott berichteten und dieser schließlich zurücktreten musste.

Siehe auch: The YouTube Election in der New York Times

Die Notwendigkeit einer inderdisziplinären Internetwissenschaft

Eine inderdisziplinäre Internetwissenschaft ("science of the Web") haben der Erfinder des World Wide Web Tim Berners-Lee, Daniel J. Weitzner vom Massachusetts Institute of Technology, Wendy Hall und Nigel Shadbolt von der britischen Universität Southampton und James Hendler von der University of Maryland im Magazin Computer Science (11. August 2006) gefordert.

Die Wissenschaftler verlangen: "new approaches to tap the full richness of this powerful tool, while ensuring that it develops in a way that benefits society as a whole".

Weiter meinen sie:

"If we want to model the Web; if we want to understand the architectural principles that have provided for its growth; and if we want to be sure that it supports the basic social values of trustworthiness, privacy, and respect for social boundaries, then we must chart out a research agenda that targets the Web as a primary focus of attention."

Die Entwicklung des Internet ist nicht vorhersehbar. Umso wichtiger sei es, die Vorgänge wissenschaftlich zu begleiten – und zwar beschreibend und prognostizierend.

Im Internet spielen unter anderem technologische, soziale, ethische, gesetzgebende und rechtliche Aspekte eine Rolle. Nur wenn alle Disziplinen in einer übergreifenden Internetwissenschaft beachtet werden, lässt sich der Gegenstand umfassend betrachten.

Beispiel Weblogs: In Deutschland beschäftigen sich sowohl die Informatik, die Kommunikationswissenschaft als auch die Betriebswirtschaftslehre mit dem Phänomen. In geringerem Maße auch zum Beispiel die politische Wissenschaft, Rechtswissenschaft oder Sprachtheorie. Ein fächerübergreifender Austausch findet bislang kaum statt.

Und das obwohl das Internet ja wie kein anderes Kommunikationsmittel zuvor, es den Forschern ermöglicht, miteinander zu kommunizieren.

Die Entwicklung der Massenmedien hing schon immer von den technischen
Voraussetzungen ab. Die Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert diente als Katalysator für die Entwicklung der Massenmedien. Fernsehen und Radio konnten nur entstehen, als die technischen Voraussetzungen gegeben waren. Und auch im Internet kann die Kommunikation nur so weit gehen, wie es die technischen Möglichkeiten zulassen. Oder anders gesagt: Sie kann und wird so weit gehen, wie es die technischen Möglichkeiten zulassen. Es müssen also technische und sozio-kulturelle Seite stets im Zusammenhang betrachtet werden.

Das Internet verändert ganze Gesellschaftsbereiche. Es ist zu wichtig, als dass man seine Entwicklung dem Zufall überlassen sollte. Nur eine umfassendere Wissenschaft kann dies in den Griff bekommen. Gerade in Deutschland, wo die Online-Forschung noch Nachholbedarf hat, sollte man schläunigst umdenken.

Quellen: Telepolis, RPI

 

Brechts Web-2.0-Vermächtnis: Die Radiotheorie

Der Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht ist heute vor 50 Jahren gestorben.

Brecht hatte bereits ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Medienschaffenden und dem Publikum gefordert - wie es bei Wikis und Weblogs nun erstmals verwirklicht werden kann.

So postulierte Bertolt Brecht in seiner Radio-Theorie in den 30er Jahren:

Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, d.h., er würde es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.

Doch durch das Nazi-Regime gerieten Brechts Ideen wieder in Vergessenheit. Erst Hans Magnus Enzensberger machte im Jahre 1970 in seinem Aufsatz "Baukasten zu einer Theorie der Medien" wieder auf Brechts Ideen aufmerksam und entwickelte Brechts Gedanken weiter.

Brecht, Bertolt (1992): Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: Bertolt Brecht: Werke. Bd. 21, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Times: Die 50 coolsten Webseiten

in

Die Times hat die 50 coolsten Webseiten des Jahres 2006 gewählt.

Ausgezeichnet wurde in den Kategorien: Unterhaltung, Shopping, Nachrichten, Social-Networks, "Zeitverschwender", Reise und Websuche.

Many of this year's choices are shining examples of Web 2.0: next-generation sites offering dynamic new ways to inform and entertain, sites with cutting-edge tools to create, consume, share or discuss all manners of media, from blog posts to video clips.

Neben den erwarteten Gewinnern YouTube oder MySpace, gibt es auch einige nette Seiten: Sundance Splinks über das Filmestival, auf Jackson Pollock by Miltos Manetas kann man seine eigenen abstrakten Gemälde anfertigen, die interaktive Seite über den Central Park in New York.

Wie wurden die Finalisten ausgewählt?

We evaluate hundreds of candidates—some suggested by readers, colleagues and friends, others discovered during countless hours of surfing.

NY Times: Amateurs Get in on the Paparazzi Beat

In der New York Times gibt es einen interessanten Artikel über den Trend der europäischen Zeitungshäuser, Lesern Geld für selbst geschossene Paparazzi-Fotos zu zahlen: Amateurs Get in on the Paparazzi Beat.

Beispiel Bild-Zeitung mit ihren Leser-Reportern während der WM:

"The paper paid 500 to 1,000 euros for photos printed in the reader-reporter pages, and, by the end of the World Cup tournament, as many as 1,000 pictures were arriving daily."

Weiter steht in dem Artikel:

"Mr. Fest (a member of the Bild editorial board) says it will not be long before a reader-generated picture of a newsworthy event will run on the front page."

Leser-Reporter im Zeitalter des Caroline-Urteils: Da ist Ärger vorprogrammiert!

Word War: Ahmadinedschad bloggt

"During the era that nobility was a prestige and living in a city was perfection, I was born in a poor family in a remote village of Garmsar"

Es beginnt wie der x-te Personal-Blog eines Schulmädchens. Mahmoud Amadinedschad, Präsident vom Iran, hat ein eigenes Weblog gestartet. Doch der weitere Beitrag wird politischer und prahlerischer, wie man Amadinedschad kennt: Auf www.ahmadinejad.ir handelt er die Geschichte des Irans ab, lobt seine schulischen Erfolge und schreibt ein Loblied auf den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini.

Als zweites Staatsoberhaupt nach dem syrischen Präsidenten Gaddafi hat Amadinedschad mit dem Bloggen begonnen. (Ob er die Texte selbst schreibt oder ein PR-Mitarbeiter, sei dahingestellt.) Zählt man unsere Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Video-Podcast noch dazu, kann man sagen, dass sie sich als bloggendes Staatsoberhaupt nicht gerade in einer illustrer Runde befindet. Vielleicht startet jetzt auch US-Präsident Geoge W. Bush demnächst ein Blog. Hinter Amadinedschad zurückliegen will er sicher nicht.

Auf Amadinedschad Blog kann man auch bei einer Umfrage teilnehmen:

"Do you think that the US and Israeli intention and goal by attacking Lebanon is pulling the trigger for another word war?"

Eine typische Amadinedschad-Hetzfrage mit einem netten Tipfehler. 9282 Menschen (54 Prozent) haben für Nein gestimmt, 7990 (46 Prozent) für Ja.

Eines hat Ahmadinedschad allerdings nicht beachtet: Ein Blogbeitrag soll kurz sein. Aber er schreibt: "From now onwards, I will try to make it shorter and simpler."

Wie in anderen Ländern, in denen es kein oder nur ein eingeschränktes Recht auf freie Meinungsäußerung gibt, hat die Blogosphäre im Iran große Bedeutung für die Massenkommunikation erlangt: Blogger berichten über Themen, die öffentlich nicht diskutiert werden dürfen. Im Iran hat die Bevölkerung durch Weblogs die Möglichkeit bekommen, über Politik, Kultur oder Lebensweisen zu kommunizieren. Jedoch werden zunehmend Zensurmaßnahmen ergriffen: Einige Autoren wurden verhaftet, der Zugang zu Weblogs wird blockiert.

Gefängnis? tagesschau.de zum ersten Papstinterview

Muss der Papst ins Gefängnis? Was hat er verbrochen? tagesschau.de titelt zum ersten Fernsehinterview eines Papstes: "Papst Benedikt XVI. stellt sich".

Vielleicht war dieser Satz schuld:

"Aber wenn man nur Know-how weitergibt, nur beibringt, wie man Maschinen macht und mit ihnen umgeht, und wie man Verhütungsmittel anwendet, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass am Schluss Krieg herauskommt und AIDS-Epidemien."

Nein. Natürlich hat der Papst keine Straftat begangen. Inzwischen wurde der Titel geändert auf: "Der Glaube bietet sich als Antwort an". Auf der Seite gibt es auch das komplette Interview zum Nachlesen.

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