Community

sued-café: Neue "Leser-Lounge" bei sueddeutsche.de

Letzte Woche kursierten in der Blogosphäre bereits Meldungen über das neue Community-Projekt von sueddeutsche.de. In der Testphase hieß die "Leser-Lounge" des Online-Ablegers der SZ noch "suedpol", heute ist sie unter dem Namen "sued-café" offiziell eröffnet worden. Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs über das Projekt:

Mensch trifft Mensch im Internet - das ist auch das Prinzip von "sued-café", der neuen Leser-Lounge von sueddeutsche.de. Sie eröffnet am heutigen Mittwoch und nutzt dabei Erfahrungen, die jetzt.de, das Jugendportal der Süddeutschen Zeitung, seit sechs Jahren mit Communities gemacht hat. 110.000 User sind hier registriert, und um vorigen Jahr gab es den Grimme Online Award für die Aufbauleistung.

Das Kommentieren redaktioneller Artikel ist auf sueddeutsche.de für angemeldete Benutzer bereits seit einigen Wochen möglich. Nun sollen sich die Leser auch über Profilseiten, Gästebücher und Foren gegenseitig über das Tagesgeschehen austauschen können.

StudiVZ-Blog: Gegendarstellung à la Web 2.0

Konstantin Urban, Chef von Holtzbrinck Networks, hat sich in einem Interview mit manager-magazin.de zum Thema Datensicherheit bei der kürzlich von der Holtzbrinck-Gruppe erworbenen Studenten-Community StudiVZ geäußert:

Selbstverständlich musste man nachrüsten, und das hat StudiVZ getan. Die Datensicherheit ist jetzt gegeben. Unlängst hat der Chaos Computer Club vergebens versucht, sich ins System zu hacken. Auch die Seite ist jetzt stabil.

Einige Hacker fühlten sich wohl provoziert und so folgte eine Gegendarstellung prompt - und zwar gestern Nacht auf dem offiziellen StudiVZ-Blog. Dort war u.a. an die StudiVZ-Nutzer gerichtet zu lesen:

Der Chaos Computer Club beteiligt sich nicht an solchen 'Hackt uns doch'-Mätzchen wie dem von studiVZ ausgerufenen Wettbewerb. Es kommt leider vor, dass einzelne Spinner von sich behaupten, 'im Namen des CCC' zu handeln, wie wohl auch hier geschehen. Mit dem Chaos Computer Club hat das jedoch nichts zu tun.

Die 'Hackt uns doch'-Mätzchen dürften auf eine umstrittene Ausschreibung der StudiVZ-Betreiber anspielen, bei der aufgedeckte und übermittelte Sicherheitslücken mit 256 Euro entlohnt wurden.

Zwar steht keineswegs fest, ob der CCC tatsächlich etwas mit der Gegendarstellung zu tun hat - dennoch sorgte die Aktion in Bloggerkreisen für Belustigung. Das gehackte StudiVZ-Blog wurde mittlerweile vom Netz genommen, die vollständige Gegendarstellung ist z.B. auf blogbar.de dokumentiert.

StudiVZ an Holtzbrinck verkauft

Das Community-Portal StudiVZ hat in den vergangenen Wochen für viel Aufregung gesorgt. Nun ist StudiVZ wieder in den Schlagzeilen: Für über 100 Millionen Euro ist es an die Holtzbrinck-Gruppe verkauft worden, meldet Spiegel Online.

Bei der Studenten-Community sollen nach eigenen Angaben mehr als eine Million User registriert sein. StudiVZ war zunehmend in die Kritik geraten, weil die Gründer einen bedenklichen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit pflegten, Blogger eine Sicherheitslücke nach der anderen aufgedeckt hatten und weil einige weibliche Mitglieder der Community regelrecht Opfer von Stalkern wurden.

Die StudiVZ-Gründer dürften dies nun nicht mehr stören. Sie werden erst einmal wieder eine Party feiern. Und dazugelernt haben sie vielleicht auch: Auf der Seite www.voelkischer-beobachter.de ist nichts von dem Kauf zu lesen.

Auf dem StudiVZ-Blog heißt es:

Es ist mit der Übernahme auch sichergestellt, dass es studiVZ langfristig geben wird. So können wir sicherstellen, dass das komplette Angebot für Euch auch in Zukunft kostenlos bleibt.

Nachtrag: Die Verkaufssumme soll nun doch deutlich unter 100 Millionen Euro liegen.

Kollektive Ehren für den User: Time Magazine wählt "Person of the Year"

Jedes Jahr wählt das amerikanische Magazin Time die Person des Jahres, die das Weltgeschehen in positiver oder aber auch in negativer Weise entscheidend beeinflusst hat.

Nach George W. Bush, Bono und dem Ehepaar Gates in den vergangenen Jahren kommt diese Ehre diesmal keiner einzelnen Persönlichkeit, sondern dem weltweiten Kollektiv der Internetnutzer zu:

But look at 2006 through a different lens and you'll see another story, one that isn't about conflict or great men. It's a story about community and collaboration on a scale never seen before. It's about the cosmic compendium of knowledge Wikipedia and the million-channel people's network YouTube and the online metropolis MySpace. It's about the many wresting power from the few and helping one another for nothing and how that will not only change the world, but also change the way the world changes.

Trotz der großen Erfolge von Wikipedia und sozialen Netzwerken will man sich dennoch keiner verklärten Sichtweise hingeben und so bleiben bei aller Euphorie auch die negativen Aspekte des so genannten Web 2.0 nicht unerwähnt:

Web 2.0 harnesses the stupidity of crowds as well as its wisdom. Some of the comments on YouTube make you weep for the future of humanity just for the spelling alone, never mind the obscenity and the naked hatred.

Ausgezeichnet wird der einzelne Internetnutzer als Teil eines großen sozialen Experiments, das 2006 erst ganz am Anfang steht.

Monokultur und "Mob 2.0": Jaron Lanier über die Gefahren des Internets

Der amerikanische Netzpionier Jaron Lanier gilt als einer der großen Mahner innerhalb der Netzkultur und hat in letzter Zeit vor allem mit seiner Kritik der kollaborativ erstellten Online-Enzyklopädie Wikipedia für Aufsehen gesorgt. Er kritisiert Tendenzen eines "digitalen Maoismus", der statt zu kollektivem Fortschritt eher zu Formen digitaler Unterdrückung führen würde.

Seine Wikipedia-Kritik weist dabei erstaunliche Parallelen zu den Ansichten des - mittlerweile ausgestiegenen und mit einem Alternativprojekt beschäftigten - Wikipedia-Mitgründers Larry Sanger auf. Dieser hatte bereits vor Jahren auf das grundlegende Dilemma hingewiesen, dass bei Wikipedia wenige kontraproduktiv eingestellte Individuen (so genannte "Trolle") die Atmosphäre in einem Ausmaß vergiften können, dass Fachleute von der Mitarbeit letztlich abgehalten oder regelrecht vertrieben werden.

Nun hat Jaron Lanier die Blogosphäre in die Kritik genommen. Auch hier würden die Möglichkeiten des anonymen Publizierens zu unerfreulichen und gefährlichen Tendenzen führen, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung näher erläutert:

Ich möchte verdeutlichen, dass der technische Teil von Web 2.0 hervorragend war. Aber ich kritisiere die Idee, im gleichen Atemzug die Menschen zu einer anonymen breiten Masse zu machen. Nehmen Sie die Blogs: Nicht-anonyme Einträge, in denen die Personen sich zu erkennen geben, sind halbwegs zivil. Sie sind Teil der Zivilisation. Sobald Leute aber anonym schreiben, werden sie gemein. Sie werden widerlich. Lass Menschen zur breiten Masse werden und sie werden böse. Und sie verlieren sich selbst.

Fazit: Im anonymen Blogrudel verliert der Mensch den Anstand? Sicherlich ist diese Kritik berechtigt und es gibt viele Fälle, in denen dies zutrifft. Nur wirken Laniers (netz-)kulturpessimistische Thesen bisweilen ebenso einseitig und polarisierend wie es oftmals auch die Argumente der Web2.0-Apologeten sind.

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