Qualität

Qualitätskontrolle: 1.000 exzellente Wikipedia-Artikel

Wikipedia wächst rasant: Über 550.000 Artikel sind derzeit allein in der deutschsprachigen Version abrufbar, in der englischsprachigen Wikipedia bewegt man sich langsam aber sicher auf die 2-Millionen-Grenze zu.

Weniger rasant ist das Wachstum der Artikel, die von der Wikipedia-Community als exzellent eingestuft werden. Kürzlich wurde auf de.wikipedia.org der 1000. Artikel in die Liste der Exzellenten Artikel aufgenommen. In der Pressemitteilung von Wikimedia Deutschland heißt es zum strengen Review-Verfahren des Projekts:

Bevor Artikel mit diesem Prädikat ausgezeichnet werden, müssen sie eine aufwändige Prüfung über sich ergehen lassen, in der zahlreiche Wikipedia-Autoren die vorgeschlagenen Werke in einem offenen Verfahren begutachten. Während der Kandidatur erfahren Beiträge in aller Regel auch noch einmal eine deutliche Verbesserung, indem bestehende Kritikpunkte beseitigt werden - seien sie inhaltlicher oder sprachlicher Natur. Wesentlich ist dabei auch, dass die Quellen des Artikels einwandfrei dokumentiert sind. Ebenso wird auf eine sinnvolle Bebilderung der Artikel geachtet.

Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Artikel schneidet die deutschsprachige Wikipedia gut ab, in der englischsprachigen Wikipedia gibt es derzeit knapp 1.300 "Featured Articles".

"Herausforderung Medienjournalismus": Die 50. Ausgabe der "Neuen Gegenwart"

Die 50. Ausgabe des Online-Magazins "Neue Gegenwart" ist erschienen. Diesmal beschäftigen sich Björn Brückerhoff & Co. mit dem Thema "Herausforderung Medienjournalismus".

Darin betrachtet zum Beispiel die Kommunikationswissenschaftlerin Maja Malik den Medienjournalismus aus Sicht der Forschung, man liest einen Nachruf auf das eingestellte Printmagazin "V.i.S.d.P." und Kai Haller analysiert und systematisiert die amerikanische Weblogszene.

Bis die neue Ausgabe der "Neuen Gegenwart" erscheint, hat man immerhin zwei Monate Zeit, die zahlreichen Artikel durchzulesen.

Wikipedia-Bashing: Die "Wiki-Fehlia"-Kampagne der BILD-Zeitung

Die kritische Rezeption der kollaborativ (und oftmals anonym) erstellten Wikipedia-Artikel gehört zu den wichtigsten Aspekten bei der Nutzung der Online-Enzyklopädie. Während Projekte wie "Wikipedia in der Schule" dies konstruktiv zu vermitteln versuchen, lässt sich in den Medien in letzter Zeit gehäuft eine etwas einseitige Berichterstattung über die Gefahren und Probleme der Wikipedia beobachten.

Nach der Süddeutschen Zeitung springt nun auch die BILD-Zeitung, selbst bekanntlich ein Vorzeigeobjekt in Sachen Glaubwürdigkeit und Fehlerfreiheit (wie sehr das zutrifft, kann man täglich bei BILDblog nachlesen), auf den Zug des derzeit beliebten Wikipedia-Bashings auf.

Die BILD-Zeitung setzt dabei - wie schon in Sachen Leserreporter - wieder ganz auf ihre etwas eigentümliche Vorstellung von Bürgerjournalismus: Während man in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung vor kurzem noch eigenhändig Fehler in der Wikipedia verstreute, ruft BILD nun die Leser dazu auf, bereits vorhandene Fehler aufzuspüren und zu melden. (Ob dabei auch die Gefahr besteht, dass manch übermotivierter BILD-Leser selbst auf dumme Gedanken kommen könnte, sei mal dahingestellt).

Was bislang von BILD an Fehlern präsentiert wurde, dürfte allerdings selbst eingefleischte Wikipedia-Kritiker nicht wirklich vom Hocker hauen. Viele der angeführten Beispiele sind eher der Kategorie "Pubertäts-Vandalismus" zuzuordnen und überlebten meistens nur für wenige Minuten, wie man bei BILDblog im einzelnen nachgeprüft hat.

Auch der Nihil-Artikel "Ferdinand Julius Hidemann" - seit fast zwei Jahren nicht mehr im Artikelraum der Wikipedia zu finden und explizit als "Lexikon-Ente" gekennzeichnet - wurde von BILD als vorsätzliche Falschinformation angeprangert.

Trotz allem kann man der gesteigerten Aufmerksamkeit, die Deutschlands auflagenstärkste Zeitung der Online-Enzyklopädie schenkt, durchaus auch Positives abgewinnen: Schließlich muss man meist einen gewissen Grad an Prominenz erworben haben, um von BILD überhaupt einer Schlagzeile würdig befunden zu werden.

Wikipedias Erfolgsgeschichte wird die Wikifehlia-Kampagne der BILD-Zeitung wohl kaum gefährden - zumal es von engagierten und ernsthaften Wikipedia-Nutzern schon seit längerem Pläne für eine parallele Version mit überprüften und unveränderlichen Artikeln gibt, die über kurz oder lang wohl auch im Sinne eines Projekts "Wikipedia 1.0" umgesetzt werden dürften.

Ätsch, Wikipedia! Investigativer Journalismus oder feuilletonistischer Vandalismus bei der SZ?

Die Offenheit der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist der entscheidende Motor für das rasante Wachstum der letzten Jahre. Dass diese Offenheit auch die Hauptursache für die zahlreichen Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsprobleme des kollaborativ erstellten Nachschlagewerks ist, spricht sich langsam aber sicher herum.

Im Feuilleton der Süddeutsche Zeitung wurde diese Problematik kürzlich zum Topthema, unter dem Titel "Im Daunenfederngestöber" wird erläutert, wie anfällig die Enzyklopädie für Falschinformationen und Vandalismus sei.

Um dies für die Leser zu veranschaulichen, hat man sich in der SZ-Redaktion selbst in die Rolle des hinterlistigen Wiki-Vandalen versetzt und 17 Fehler in verschiedenen Wikipedia-Artikeln untergebracht, von denen fünf bis zum Erscheinen des SZ-Artikels unerkannt blieben.

Dass Wikipedia anfällig für vorsätzliche Fälschungen ist, dürfte von kaum jemandem angezweifelt werden: So genannte "Nihilartikel" - etwa die fiktive Biographie des unehelichen Goethe-Sohns Ferdinand Julius Hidemann - haben bis zu ihrer Entdeckung monatelang im Artikelraum der Wikipedia überlebt.

In diesem Zusammenhang sei aber auch die Frage erlaubt, inwiefern das absichtliche Einbauen von Fehlern in ein gemeinnütziges Projekt dem Anspruch einer renommierten deutschen Tageszeitung entspricht. Ist dies noch investigativ oder schon ein bisschen kindisch?

Schließlich wäre es auch möglich, die Qualitätsproblematik anhand bestehender Fehler zu thematisieren, wie dies z.B. vom ehemaligen Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica Robert McHenry in seinem viel diskutierten Artikel "The Faith-Based Encyclopedia" gemacht wurde.

Vorsätzliche Falschinformationen werden immer ein Problem für die Qualität von Wikipedia bleiben, solange sie anonymen Benutzern Bearbeitungsrechte gewährt. Wenn solche Fehler allerdings absichtlich von Redakteuren eingestreut werden, sind sie möglicherweise auch ein Problem für die Qualität des Journalismus.

Was bedeutet der Wikipedia-Klau von AFP?

Am Tag der deutschen Einheit hat die Nachrichtenagentur AFP von Wikipedia abgeschrieben. Als in Pennsylvania ein Familienvater fünf Mädchen in einer Amish-Gmeinde getötet hatte, wollte die Welt erfahren, was die Religionsgemeinschaft eigentlich genau ist. AFP sendete ein Hintergrundstück, das fast wörtlich mit dem Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia übereinstimmte. Nachrichtenmagazine wie Spiegel Online veröffentlichten anschließend den Text, ohne ihn als Wikipedia-Artikel zu kennzeichnen.

Während Spiegel Online den Artikel im Nachhinein als Wikipedia-Beitrag kenntlich machte, wollte AFP die Meldung nicht zurückziehen.

Der Fall zeigt zweierlei: Zum einen wird einmal mehr deutlich, für wie verlässlich Wikipedia bereits gesehen wird, dass selbst professionelle Journalisten die Texte (ungeprüft) übernehmen. Journalisten nutzen Wikipedia nicht mehr als Teil der Recherche oder erste Anlaufstelle. Nein: sie nutzen inzwischen ausschließlich das Online-Lexikon.

Zum zweiten wird leider auch deutlich, unter welchen Bedingungen Journalisten in Deutschland inzwischen arbeiten müssen. Gerade an Wochenenden und am Feiertag - wie auch am 3. Oktober - sind die Redaktionen stark unterbesetzt. In manchen Online-Redaktionen großer Tageszeitungen hat an einem solchen Tag nur ein Mitarbeiter Dienst. So ist es nur eine logische Folge, dass solche Patzer passieren.

Für den guten Ruf der deutschen Presselandschaft sind solche Ausrutscher nicht förderlich. Selbst amerikanische und französische Blogger wurden auf den Fall "AFP und Wikipedia" aufmerksam.

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