Wikipedia

"Spiegel Wissen" - Gratis-Archiv im Netz

Bezahlinhalte ade - Der Spiegel wird im Frühjahr 2008 das komplette Spiegel-Archiv auf der Plattform "Spiegel Wissen" kostenlos ins Netz stellen. Alle Spiegel-Artikel seit 1947 sollen abrufbar sein, lediglich die aktuelle Ausgabe wird weiterhin kostenpflichtig sein. Desweiteren sollen Einträge der Online-Enzyklopädie mit Spiegel-Inhalten verknüpft werden. Finanziert werden soll die Plattform über Werbeeinnahmen.

via kress.de

wikipedia.de - Die Crux mit der Domain

Dem gemeinnützige Verein Wikimedia Deutschland e.V. gehört die Domain wikipedia.de. Obwohl die Domain auf die Adresse des offiziellen Betreibers, der Wikimedia Foundation in Florida (USA), weitergeleitet wird, kommt es immer wieder zu rechtlichen Auseinandersetzungen, bei denen Wikimedia Deutschland für Wikipedia-Inhalte verantwortlich gemacht werden soll.

Mehr zum Thema bei citizenmedia.de

Qualitätskontrolle: 1.000 exzellente Wikipedia-Artikel

Wikipedia wächst rasant: Über 550.000 Artikel sind derzeit allein in der deutschsprachigen Version abrufbar, in der englischsprachigen Wikipedia bewegt man sich langsam aber sicher auf die 2-Millionen-Grenze zu.

Weniger rasant ist das Wachstum der Artikel, die von der Wikipedia-Community als exzellent eingestuft werden. Kürzlich wurde auf de.wikipedia.org der 1000. Artikel in die Liste der Exzellenten Artikel aufgenommen. In der Pressemitteilung von Wikimedia Deutschland heißt es zum strengen Review-Verfahren des Projekts:

Bevor Artikel mit diesem Prädikat ausgezeichnet werden, müssen sie eine aufwändige Prüfung über sich ergehen lassen, in der zahlreiche Wikipedia-Autoren die vorgeschlagenen Werke in einem offenen Verfahren begutachten. Während der Kandidatur erfahren Beiträge in aller Regel auch noch einmal eine deutliche Verbesserung, indem bestehende Kritikpunkte beseitigt werden - seien sie inhaltlicher oder sprachlicher Natur. Wesentlich ist dabei auch, dass die Quellen des Artikels einwandfrei dokumentiert sind. Ebenso wird auf eine sinnvolle Bebilderung der Artikel geachtet.

Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Artikel schneidet die deutschsprachige Wikipedia gut ab, in der englischsprachigen Wikipedia gibt es derzeit knapp 1.300 "Featured Articles".

"Einbahnstraße Werbung": Wikipedia auch in Zukunft ausschließlich über Spenden finanziert

Das rasche Wachstum der Online-Enzyklopädie Wikipedia führt zu immer höheren Betriebskosten, die sich derzeit auf etwa 75.000 Dollar im Monat belaufen, wie Wikipedia-Aktivist Matthias Schindler gegenüber Spiegel Online erläuterte.

Trotz steigender Kosten seien aber kursierende Gerüchte, das gemeinnützige Projekt könne sich mittelfristig nicht allein über Spendengelder finanzieren, haltlos. Zwar gäbe es noch Spielraum, das Fundraising für Wikipedia zu professionalisieren, eine zusätzliche Finanzierung über Werbeeinnahmen schließt Schindler allerdings kategorisch aus:

Wikimedia ist nicht zufällig eine gemeinnützige Organisation, sondern aus Prinzip. Ohne den Einsatz zigtausender Freiwilliger wäre Wikipedia auch heute noch eine leere Website. Und es ist nur schwer vorstellbar, dass Menschen so viel Energie in ein Projekt investieren würden, das als Wirtschaftsunternehmen geführt wird.

Auch schon Werbung in sehr dezenter Form könnte gefährliche Folgen haben. Sie könnte zu einer Verringerung der Spendenbereitschaft führen und damit mehr Werbung erforderlich machen. Am Ende hätten wir dann die Abhängigkeit von der Spendenbereitschaft der Öffentlichkeit nur durch die Abhängigkeit von der Werbewirtschaft ersetzt. In diese Einbahnstraße wollen wir nicht einbiegen.

"Wikipedia-Day" - Die freie Online-Enzyklopädie feiert 6. Geburtstag

Der 15. Januar ist für viele Wikipedia-Fans ein besonderes Datum. Heute vor sechs Jahren ging die für jedermann editierbare Online-Enzyklopädie als Nachfolger des letztlich gescheiterten Nupedia-Projekts online (Mehr zur Geschichte der Wikipedia).

Am "Wikipedia-Day" wird traditionell Bilanz gezogen. Die rasant anwachsende Wissensdatenbank sah sich mit zunehmender Reichweite (momentan Platz 12 im weltweiten Alexa-Ranking) und Popularität auch immer häufiger Kritik ausgesetzt.

Neben die allgegenwärtigen Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsdiskussionen traten in letzter Zeit weitreichende Einwände gegenüber die Organisationsstruktur der kollektiven Wissensproduktion in den Vordergrund, wie sie z.B. unter dem von Jaron Lanier geprägten Schlagwort des "digitalen Maoismus" diskutiert werden.

"Wikiasari": Die neue Wikipedia-Suchmaschine

Die Macher von Wikipedia planen eine eigene Suchmaschine. Wikiasari soll sie heißen und nach dem Wiki-Prinzip funktionieren.

Der Name kommt von dem hawaianischen Wort "wiki wiki" (schnell) und dem japanischen "Asari" (Suche). Eine erste Version soll bereits vor Mai 2007 herauskommen.

via: Der Standard

Wikipedia-Bashing: Die "Wiki-Fehlia"-Kampagne der BILD-Zeitung

Die kritische Rezeption der kollaborativ (und oftmals anonym) erstellten Wikipedia-Artikel gehört zu den wichtigsten Aspekten bei der Nutzung der Online-Enzyklopädie. Während Projekte wie "Wikipedia in der Schule" dies konstruktiv zu vermitteln versuchen, lässt sich in den Medien in letzter Zeit gehäuft eine etwas einseitige Berichterstattung über die Gefahren und Probleme der Wikipedia beobachten.

Nach der Süddeutschen Zeitung springt nun auch die BILD-Zeitung, selbst bekanntlich ein Vorzeigeobjekt in Sachen Glaubwürdigkeit und Fehlerfreiheit (wie sehr das zutrifft, kann man täglich bei BILDblog nachlesen), auf den Zug des derzeit beliebten Wikipedia-Bashings auf.

Die BILD-Zeitung setzt dabei - wie schon in Sachen Leserreporter - wieder ganz auf ihre etwas eigentümliche Vorstellung von Bürgerjournalismus: Während man in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung vor kurzem noch eigenhändig Fehler in der Wikipedia verstreute, ruft BILD nun die Leser dazu auf, bereits vorhandene Fehler aufzuspüren und zu melden. (Ob dabei auch die Gefahr besteht, dass manch übermotivierter BILD-Leser selbst auf dumme Gedanken kommen könnte, sei mal dahingestellt).

Was bislang von BILD an Fehlern präsentiert wurde, dürfte allerdings selbst eingefleischte Wikipedia-Kritiker nicht wirklich vom Hocker hauen. Viele der angeführten Beispiele sind eher der Kategorie "Pubertäts-Vandalismus" zuzuordnen und überlebten meistens nur für wenige Minuten, wie man bei BILDblog im einzelnen nachgeprüft hat.

Auch der Nihil-Artikel "Ferdinand Julius Hidemann" - seit fast zwei Jahren nicht mehr im Artikelraum der Wikipedia zu finden und explizit als "Lexikon-Ente" gekennzeichnet - wurde von BILD als vorsätzliche Falschinformation angeprangert.

Trotz allem kann man der gesteigerten Aufmerksamkeit, die Deutschlands auflagenstärkste Zeitung der Online-Enzyklopädie schenkt, durchaus auch Positives abgewinnen: Schließlich muss man meist einen gewissen Grad an Prominenz erworben haben, um von BILD überhaupt einer Schlagzeile würdig befunden zu werden.

Wikipedias Erfolgsgeschichte wird die Wikifehlia-Kampagne der BILD-Zeitung wohl kaum gefährden - zumal es von engagierten und ernsthaften Wikipedia-Nutzern schon seit längerem Pläne für eine parallele Version mit überprüften und unveränderlichen Artikeln gibt, die über kurz oder lang wohl auch im Sinne eines Projekts "Wikipedia 1.0" umgesetzt werden dürften.

Ätsch, Wikipedia! Investigativer Journalismus oder feuilletonistischer Vandalismus bei der SZ?

Die Offenheit der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist der entscheidende Motor für das rasante Wachstum der letzten Jahre. Dass diese Offenheit auch die Hauptursache für die zahlreichen Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsprobleme des kollaborativ erstellten Nachschlagewerks ist, spricht sich langsam aber sicher herum.

Im Feuilleton der Süddeutsche Zeitung wurde diese Problematik kürzlich zum Topthema, unter dem Titel "Im Daunenfederngestöber" wird erläutert, wie anfällig die Enzyklopädie für Falschinformationen und Vandalismus sei.

Um dies für die Leser zu veranschaulichen, hat man sich in der SZ-Redaktion selbst in die Rolle des hinterlistigen Wiki-Vandalen versetzt und 17 Fehler in verschiedenen Wikipedia-Artikeln untergebracht, von denen fünf bis zum Erscheinen des SZ-Artikels unerkannt blieben.

Dass Wikipedia anfällig für vorsätzliche Fälschungen ist, dürfte von kaum jemandem angezweifelt werden: So genannte "Nihilartikel" - etwa die fiktive Biographie des unehelichen Goethe-Sohns Ferdinand Julius Hidemann - haben bis zu ihrer Entdeckung monatelang im Artikelraum der Wikipedia überlebt.

In diesem Zusammenhang sei aber auch die Frage erlaubt, inwiefern das absichtliche Einbauen von Fehlern in ein gemeinnütziges Projekt dem Anspruch einer renommierten deutschen Tageszeitung entspricht. Ist dies noch investigativ oder schon ein bisschen kindisch?

Schließlich wäre es auch möglich, die Qualitätsproblematik anhand bestehender Fehler zu thematisieren, wie dies z.B. vom ehemaligen Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica Robert McHenry in seinem viel diskutierten Artikel "The Faith-Based Encyclopedia" gemacht wurde.

Vorsätzliche Falschinformationen werden immer ein Problem für die Qualität von Wikipedia bleiben, solange sie anonymen Benutzern Bearbeitungsrechte gewährt. Wenn solche Fehler allerdings absichtlich von Redakteuren eingestreut werden, sind sie möglicherweise auch ein Problem für die Qualität des Journalismus.

Was bedeutet der Wikipedia-Klau von AFP?

Am Tag der deutschen Einheit hat die Nachrichtenagentur AFP von Wikipedia abgeschrieben. Als in Pennsylvania ein Familienvater fünf Mädchen in einer Amish-Gmeinde getötet hatte, wollte die Welt erfahren, was die Religionsgemeinschaft eigentlich genau ist. AFP sendete ein Hintergrundstück, das fast wörtlich mit dem Eintrag in der Online-Enzyklopädie Wikipedia übereinstimmte. Nachrichtenmagazine wie Spiegel Online veröffentlichten anschließend den Text, ohne ihn als Wikipedia-Artikel zu kennzeichnen.

Während Spiegel Online den Artikel im Nachhinein als Wikipedia-Beitrag kenntlich machte, wollte AFP die Meldung nicht zurückziehen.

Der Fall zeigt zweierlei: Zum einen wird einmal mehr deutlich, für wie verlässlich Wikipedia bereits gesehen wird, dass selbst professionelle Journalisten die Texte (ungeprüft) übernehmen. Journalisten nutzen Wikipedia nicht mehr als Teil der Recherche oder erste Anlaufstelle. Nein: sie nutzen inzwischen ausschließlich das Online-Lexikon.

Zum zweiten wird leider auch deutlich, unter welchen Bedingungen Journalisten in Deutschland inzwischen arbeiten müssen. Gerade an Wochenenden und am Feiertag - wie auch am 3. Oktober - sind die Redaktionen stark unterbesetzt. In manchen Online-Redaktionen großer Tageszeitungen hat an einem solchen Tag nur ein Mitarbeiter Dienst. So ist es nur eine logische Folge, dass solche Patzer passieren.

Für den guten Ruf der deutschen Presselandschaft sind solche Ausrutscher nicht förderlich. Selbst amerikanische und französische Blogger wurden auf den Fall "AFP und Wikipedia" aufmerksam.

Medienkompetenz und kritische Rezeption: Wikipedia in der Schule

Gedruckte Nachschlagewerke kommen bei Schülerinnen und Schülern immer mehr aus der Mode. Auf die Schnelle "zusammengegoogelte" Referate und Thesenpapiere, die dem entsprechenden Wikipedia-Artikel zum Verwechseln ähnlich sehen, dürften mittlerweile weit verbreitet sein und zum schulischen Alltag gehören:

In einer unter Schülern einer 12. Jahrgangsstufe durchgeführten Umfrage hatten 63 Prozent der Befragten angegeben, Wikipedia oder Google seien ihre erste Wahl unter den Informationsquellen zur Unterrichtsnachbereitung. Gedruckte Nachschlagewerke landeten hingegen bei nur 21 Prozent.
(Quelle: wikimedia.de)

Um eine kritische Nutzung von Online-Quellen zu fördern, fand am Freitag, den 22. September 2006 am Hildesheimer Gymnasium Adreaneum ein Aktionstag mit vielen Workshops für Schüler der 12. Jahrgangsstufe, Lehrer und interessierte Eltern statt, wobei speziell die Wikipedia-Nutzung im Zentrum des Interesses stand.

Aufklärungsarbeit über die Funktionsweise des auf inhaltlicher wie auf sozialer Ebene komplexen Wikipedia-Projekts scheint auch dringend geboten, will die Online-Enzyklopädie nicht letztlich von ihrem überwältigenden Erfolg überrannt werden.

Denn die teilweise stark divergierende Qualität der gemeinschaftlich erstellten Artikel ist seit jeher das Hauptargument der Wikipedia-Kritiker, die das kostenlose Nachschlagewerk gerne auch mal mit einer öffentlichen Toilette vergleichen. Schließlich wisse man in beiden Fällen nie, wer vorher schon alles da war, wie der ehemalige Chefredakteur der Encyclopaedia Britannica Robert McHenry bereits 2004 polemisierte:

The user who visits Wikipedia to learn about some subject, to confirm some matter of fact, is rather in the position of a visitor to a public restroom. It may be obviously dirty, so that he knows to exercise great care, or it may seem fairly clean, so that he may be lulled into a false sense of security. What he certainly does not know is who has used the facilities before him.
(Robert McHenry: The Faith-Based Encyclopedia, 2004)

Zwar geht McHenrys Kritik ein wenig am Ziel vorbei, da sich prinzipiell jede Änderung eines Wikipedia-Artikels (und damit die vollständige Textgenese) über die Versionsgeschichte nachvollziehen lässt - dennoch dürfte diese grundsätzlich vorhandene Transparenz bei der schnellen Suche nach Informationen im Netz nur selten genutzt werden. (Mehr zur technischen Funkionalität von Wikis.)

So steht den kritischen Stimmen von Fachleuten und den Verfechtern klassischer Enzyklopädien eine rasant wachsende alltägliche - und v.a. pragmatisch orientierte - Nutzung der Wikipedia gegenüber, die sich natürlich auch an den Schulen und Universitäten massiv niederschlägt.

Die Förderung von Medienkompetenz im Umgang mit kollaborativ erstellten Textformen, an deren Produktionsprozess Experten ebenso wie Laien, anonyme, pseudonyme und möglicherweise auch kontraproduktiv agierende Autoren beteiligt sind, wird in Zukunft einen wesentlich höheren Stellenwert in den Lehrplänen einnehmen müssen.

Zu einer kritischen Rezeption von Wikipedia-Artikeln gehört vor allem ein Bewusstsein dafür, dass sich durch die Produktionsbedingungen in Online-Medien auch Falschinformationen leicht weitervererben können (man denke an die beliebte Texterstellung per copy/paste oder an die mögliche "Mitübersetzung" von Fehlern aus fremdsprachigen Wikipedia-Ablegern).

Medienkompetenz im Umgang mit Wikipedia-Quellen beweist sich nicht zuletzt auch durch das Wissen um die Möglichkeit, im Zweifelsfall einen Blick auf die Hintergründe der Textproduktion werfen zu können: So sind die Diskussionsseiten zu kontroversen Themen manchmal sogar aufschlussreicher als die Artikel selbst.

Diese Transparenz der Produktionsbedingungen kann vielleicht sogar als entscheidender Mehrwert gegenüber statischen Enzyklopädien betrachtet werden - wenngleich die Praxis anonymen und pseudonmyen Publizierens bei Wikipedia im Extremfall zu einem regelrechten Kommunikationschaos führen kann. (Vgl. Troll oder nicht Troll?: Der Fall "Thomas7"). Hinter dem einzelnen Wikipedia-Artikel - der als Konsensprodukt dem Gebot der Neutralität unterliegt - verbirgt sich meist ein vielstimmiger Chor unterschiedlicher Meinungen und damit oftmals ein hohes Konfliktpotential. Auch diesen Aspekt kollektiven Schreibens gilt es an den Schulen zu vermitteln.

Unabhängig von wiederkehrenden Qualitätsdiskussionen wird die Online-Enzyklopädie Wikipedia weiter expandieren und sich zum weltweit meistgenutzten Nachschlagewerk entwickeln. Angesichts dieser Tendenz kann man nur hoffen, dass der Hildesheimer Aktionstag - im wörtlichen Sinne - bald Schule machen wird.

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