Word War: Ahmadinedschad bloggt

14. August 2006 - 15:02 -- Lisa Sonnabend

"During the era that nobility was a prestige and living in a city was perfection, I was born in a poor family in a remote village of Garmsar"

Es beginnt wie der x-te Personal-Blog eines Schulmädchens. Mahmoud Amadinedschad, Präsident vom Iran, hat ein eigenes Weblog gestartet. Doch der weitere Beitrag wird politischer und prahlerischer, wie man Amadinedschad kennt: Auf www.ahmadinejad.ir handelt er die Geschichte des Irans ab, lobt seine schulischen Erfolge und schreibt ein Loblied auf den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini.

Als zweites Staatsoberhaupt nach dem syrischen Präsidenten Gaddafi hat Amadinedschad mit dem Bloggen begonnen. (Ob er die Texte selbst schreibt oder ein PR-Mitarbeiter, sei dahingestellt.) Zählt man unsere Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Video-Podcast noch dazu, kann man sagen, dass sie sich als bloggendes Staatsoberhaupt nicht gerade in einer illustrer Runde befindet. Vielleicht startet jetzt auch US-Präsident Geoge W. Bush demnächst ein Blog. Hinter Amadinedschad zurückliegen will er sicher nicht.

Auf Amadinedschad Blog kann man auch bei einer Umfrage teilnehmen:

"Do you think that the US and Israeli intention and goal by attacking Lebanon is pulling the trigger for another word war?"

Eine typische Amadinedschad-Hetzfrage mit einem netten Tipfehler. 9282 Menschen (54 Prozent) haben für Nein gestimmt, 7990 (46 Prozent) für Ja.

Eines hat Ahmadinedschad allerdings nicht beachtet: Ein Blogbeitrag soll kurz sein. Aber er schreibt: "From now onwards, I will try to make it shorter and simpler."

Wie in anderen Ländern, in denen es kein oder nur ein eingeschränktes Recht auf freie Meinungsäußerung gibt, hat die Blogosphäre im Iran große Bedeutung für die Massenkommunikation erlangt: Blogger berichten über Themen, die öffentlich nicht diskutiert werden dürfen. Im Iran hat die Bevölkerung durch Weblogs die Möglichkeit bekommen, über Politik, Kultur oder Lebensweisen zu kommunizieren. Jedoch werden zunehmend Zensurmaßnahmen ergriffen: Einige Autoren wurden verhaftet, der Zugang zu Weblogs wird blockiert.