2.4 Entstehung der Watchblogs

Der Begriff „Watchblog“ wurde im Dezember 2003 während des Wahlkampfes um die US-Präsidentschaft geprägt. Der Amerikaner Tim Withers hatte sich über einen Artikel der New York Times Kolumnistin Jodi Wilgoren geärgert, die in ihrer Berichterstattung seinen Lieblingskandidaten Howard Dean kritisierte. Withers holte zum Gegenschlag aus und gründete mit The Wilgoren Watch das erste Watchblog (vgl. Withers 2004).

Er kämmt Wilgorens Wortwahl durch und stürzt sich dabei auf jede Andeutung politischer Voreingenommenheit. Und dann, wenn er mit seiner Analyse fertig ist, veröffentlicht Withers seine Ergebnisse auf The Wilgoren Watch, seinem neuen Weblog, dass er ganz Jodi gewidmet hat. (Shachtman 2004)

In der Blogosphäre sprach sich die Idee schnell unter dem griffigen Motto „Adopt a Journalist“ herum (vgl. Rosen 2004). Im Sog des US-Wahlkampfes gründeten die Anhänger von Republikanern und Demokraten ihre eigenen Journalisten-Watchblogs. Der anonyme Blogger „Aeolus“ beobachtete gleich zwei Journalisten: Im Patricia Wilson Watch spürte er der Reuters Reporterin Patricia Wilson nach (Aeolus 2004), in What a Pickler schaute er der AP-Journalistin Nedra Pickler auf die Finger (Aeolus Offline). Ein anderer anonymer Blogger kümmerte sich in Enduring Friedman um Thomas Friedmann von der New York Times (k.A. Offline). Im Internet gelten die Watchblogger seitdem als die Kontrolleure der Kontrolleure (vgl. Sixtus 2004, S. 10). Auch in Deutschland haben sich in den letzten Jahren verschiedene Medien-Watchblogs, wie Bildblog, Spiegelkritik oder OstseeZeitungBlog herausgebildet, die allerdings eher die Arbeit ganzer Redaktionen beobachten, als einzelne Journalisten (vgl. Schultheis 2006, Heiser 2006, Meyke 2006).