2.3.2 Inhaltliche Kategorisierung

Zu Beginn der Entwicklung der Weblogs unterschied Rebecca Blood (2000) zwischen Filter-style- und Journal-style-Weblogs. Filter-style-Weblogs fungieren als Filter und helfen den Lesern, sich im Internet zu Recht zu finden. Blogger verlinken hier auf diejenigen Seiten, die ihrer Meinung nach von Interesse sind. Journal-style-Weblogs berichten über private Dinge aus dem Leben des Autors oder über gesellschaftlich oder politische Ereignisse und Beobachtungen.

Da die Blogosphäre jedoch in ihrer weiteren Entwicklung nicht mehr vorwiegend als Informationsfilter diente und sich vielfältigen Themen zuwandte (vgl. Kapitel 2.2.2), ist eine genauere Kategorisierung sinnvoll. Man unterscheidet zwischen Weblogs, deren Inhalte persönlich oder thematisch sind (Herring et al. 2004: 3). Persönliche Weblogs werden oft als Online-Tagebücher bezeichnet, da der Autor hier regelmäßig – oft mehrmals täglich – persönliche Erlebnisse und Gedanken veröffentlicht. Diese Weblogs werden als Personal blogs bezeichnet. Eine Sonderform der Personal blogs sind Celebrity Blogs, auf denen berühmte Personen aus ihrem Leben berichten.

Thematische Weblogs kann man untergliedern in Weblogs als Medien der Experten-Kommunikation, der internen und externen Unternehmenskommunikation oder als Erweiterung der Öffentlichkeit (Schmidt 2005: 10). Weblogs, die der Experten-Kommunikation dienen, werden in der Regel als Knowledge-Blogs oder kurz k-logs bezeichnet. Hier legt ein Forscher oder eine Forschungsgruppe Beobachtungen und Thesen über ein bestimmtes wissenschaftliches Themengebiet dar (Herring et al. 2004: 10); dies soll der Diskussion mit Lesern oder als Wissensspeicher dienen. Als Beispiele seien die Weblogs der Universität von Calgary und Physikalische Kleinigkeiten von Dr. Peter Schilbe, Dozent für Physik an der Freien Universität Berlin, genannt.31

Auch in der Unternehmens-Kommunikation haben Weblogs Bedeutung erlangt. Diese werden als Corporate Blogs bezeichnet (Fischer 2004).

„Corporate Blogs ermöglichen eine direkte, ungefilterte und dialogorientierte Kommunikation mit wichtigen Stakeholdern“ (Zerfaß 2005: 3f.).

Für Unternehmen ist somit nicht mehr nur relevant, ob Medien über sie berichten, sondern entscheidend wird auch, wie sie die Aufmerksamkeit auf das eigene Medium – den Corporate Blog – lenken können (Fischer 2004). Ein Unternehmens-Weblog kann zudem die Mitarbeiter über laufende Projekte oder Unternehmensinterna informieren (Lohmöller 2005: 226, Gillmor 2004: 75).32 Corporate Blogs eingerichtet haben beispielsweise General Motors und IBM sowie Jonathan Schwartz, Unternehmenschef von Sun Microsystems. 33

Weblogs als Erweiterung der Öffentlichkeit, die dritte Untergruppe der thematischen Weblogs, sind Weblogs, die sich einem oder mehreren Themengebieten widmen. Diese können Technik, Kultur oder Sport sein, ebenso wie Haustiere, Kochen oder Schachspielen. Als spezielle Form dieser Kategorie werden politische Weblogs – Poliblogs genannt – gesehen. Diese beschäftigen sich vorwiegend mit politischen Inhalten. Als Unterform der politischen Weblogs werden Warblogs gesehen, die von Beginn des Anti-Terrorkrieges im Jahr 2001 an entstanden. Warblogger sind entweder Kriegs-Teilnehmer oder Beobachter, die aus dem Krisengebiet oder aus ihrer Heimat über einen Krieg berichten. Sie setzen sich entweder für die Legitimierung eines Krieges ein oder kritisieren den Krieg (Thompson 2003). Ihnen wird zugeschrieben authentischere und unabhängigere Informationen liefern zu können als die meist von der Regierung abhängigen professionellen Journalisten. Im Wahlkampf treten so genannte Wahlblogs oder Campaign-Blogs in Erscheinung (vgl. Kapitel 2.2.4). Nach Foren sind Weblogs die am zweithäufigsten genutzte Möglichkeit, Meinungen zu politischen Themen im Internet zu artikulieren (Abold 2005: 6).34

Es gibt eine Reihe von Weblogs, die das Verhalten von Politiker und Journalisten beobachten. Die Beispiele Dan Rather und Bildblog zeigen, dass Weblogs bei der Überwachung und Verifizierung von Informationen Bedeutung erlangt haben (vgl. Kapitel 2.2.2 und 2.2.4). Man bezeichnet sie als Watchblogs. Viele sehen in ihnen ein „basisdemokratisches Korrektiv“ (Bonstein/Schulz 2005). Einige sprechen bereits von einer Art Fünften Gewalt (Pany 2004). In so genannten Meta-Blogs diskutieren Blogger über das Mediensystem – sowohl die Blogosphäre als auch die traditionellen Medien –. Ruggiero und Winch (2004) bezeichnen sie als „arenas for discussion and negotiation of journalistic norms“. Beispiele für deutsche Meta-Blogs sind Medienrauschen oder Publizistik in Berlin35.

Fußnoten:

31 Die URLs lauten: http://weblogs.ucalgary.ca oder http://physik.blogspot.com.

32 Zerfaß (2005: 30f.) unterscheidet Corporate Blogs weiter in Collaboration Blogs, CEO Blogs, Customer Relation Blogs, Product Blogs, Crisis Blogs oder Campaigning Sites.

33 URLs: http://gmblogs.com, http://www.ibm.com/blogs und http://blogs.sun.com/jonathan

34 Abold (2005: 9) attestierte politischen Bloggern in Deutschland eine hohe Affinität zu linken Parteien.

35 URL: http://www.medienrauschen.de und http://publizistik-in-berlin.de.