3.1.2 Weblogs in Abgrenzung zu anderen Online-Genres

Im Internet gibt es mehrere Online-Genres, die nicht von professionellen Kommunikatoren betrieben werden. Die Autoren dieser Genres sind weder in einer Redaktion organisiert, sie erhalten kein Geld für ihre Tätigkeit und die Kommunikationsrichtung ist meist nicht nur einseitig (Bowman/Willis 2003: 16). Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen diesen Online-Genres. Weblogs sind zwischen Standard-Webseiten und asynchronen Formen der computervermittelten Kommunikation wie Diskussionsforen anzusiedeln (Thompson 2003, Moor/Efimova 2004: 198). Im Folgenden sollen Weblogs zu anderen Formen der Online-Kommunikation abgegrenzt werden.

Im Gegensatz zu Standard-Webseiten zeichnen sich Weblogs durch eine häufigere Aktualisierung und größere Interaktivität aus, da sie mehr Möglichkeiten des kommunikativen Austauschs zwischen Autor und Leser bieten – vor allem über die Kommentarfunktion (Döring 2002, Wijnia 2004, Herring et al. 2004: 10). Die Kommunikation bei Webseiten ist einseitig, während sie bei Weblogs netzwerkartig ist (Froomkin 2003: 860). Persönliche Homepages als Sonderform der Standard-Webseite werden – wie auch Weblogs – meist von einer einzelnen Person betrieben. In der Regel sind auf einer persönlichen Homepage Informationen über den Autor vorhanden (Döring 2002). Die Informationen sind jedoch nicht chronologisch angeordnet. Persönliche Homepages verfügen im Gegensatz zu Weblogs häufiger über ein Gästebuch und eine Suchfunktion sowie in der Regel über mehr Bilder (Herring et al. 2004: 7).

Mailing Lists kursieren im Internet innerhalb einer speziellen Gruppe, sie konzentrieren sich meist auf ein enges Themengebiet und werden an die Email-Adressen der Abonnenten verschickt. Normalerweise sind unter den Abonnenten sowohl Experten als auch an dem Themengebiet interessierte Laien (Zerfaß 2004: 419, Gillmor 2004: 27f.). Weblogs dagegen richten sich an keine spezielle Gruppe, sondern stehen – sofern der Zugang nicht durch Passwörter geschützt ist – prinzipiell jedem offen. Newsgroups werden in der Regel zu einem bestimmten Thema gegründet, das unter den Teilnehmern diskutiert wird. Die Kommunikation verläuft wie bei Mailing Lists über elektronische Post, wohingegen bei Weblogs der Zugang prinzipiell für jedermann offen ist (Roesler 1997: 181). Auch hier handelt es sich um asynchrone many-to-many-Kommunikation (Zerfaß 2004: 419).

Chats sind textuelle, direkte Unterhaltung in Echtzeit, also synchrone Kommunikation – und nicht wie Weblogs asynchrone Kommunikation – in der Form one-to-one oder one-to-few. Chats werden der interpersonalen Kommunikation zugeordnet. Chatten dient in der Regel der Selbstdarstellung und dem Aufbau persönlicher Kontakte (Eigner et al. 2003: 21, Rössler 1998: 29f.). Online-Foren haben einen langsameren Kommunikationsrhythmus als Chats. Sie sind offen für alle Personen, die daran teilnehmen wollen. Foren werden oft moderiert. Im Gegensatz zu Weblogs sind sie rein textbasiert (Wijnia 2004, Gillmor 2004: 28). Foren werden meist von Portalen oder Online-Magazinen zu bestimmten Themengebieten eingerichtet. Um dort zu publizieren, muss ein Internet-Nutzer somit die Webseiten Dritter aufsuchen.

Peer-to-Peer-Angebote sind kollaborative Websites mit vielen Teilnehmern, bei denen die Nutzer die Inhalte selbst produzieren und gegenseitig die Qualität ihrer Beiträge kontrollieren (Neuberger 2005: 79). Das bekannteste Peer-to-Peer-Angebot ist Slashdot36, das seit 1997 existiert: Slashdot hat monatlich mehr als zehn Millionen Leser, von denen eine halbe Million Personen Artikel einsenden, moderieren, bewerten oder Kommentare schreiben (Bowman/Willis 2003: 25). Slashdot verfügt über ein Kontroll- und Bewertungssystem, das die Qualität der Beiträge sichern soll. Eingesandte Beiträge werden von Moderatoren überprüft und ausgewählt (Möller 2005: 116ff.). Deutsche Peer-to-Peer-Angebote wie Wikinews oder Stern Shortnews37 verfügen über ähnliche Qualitätssicherungsysteme, die sich an journalistischen Handwerksregeln orientieren.38 Bei Peer-to-Peer-Angeboten gibt es keine Rollentrennung mehr zwischen Kommunikator und Rezipienten: Jeder Leser kann Beiträge schreiben. An Stelle einer professionellen Redaktion wird in Eigeninitiative und unter Selbstkontrolle der Teilnehmer veröffentlicht. Allerdings beschränken sich die Informationen von Peer-to-Peer-Angeboten – zumindest bislang – oft auf Verweise auf professionelle Online-Nachrichtenseiten (Neuberger 2002: 41).

Ebenso wie Weblogs beruhen Wikis in technischer Hinsicht auf einfachen Content-Management-Systemen. Während Weblogs meist von Einzelnen geführt werden, ermöglichen es Wikis den Nutzern, bei der Erstellung einer Webseite kollaborativ zusammenzuarbeiten. Die Software protokolliert dabei jede Änderung, die von einem Nutzer vorgenommen wird, wodurch Modifikationen verfolgt und gegebenenfalls revidiert werden können (Gillmor 2004: 32, Möller 2005: 189). Die Teilnehmer streben in der Regel nach gemeinsamen Zielen und Konsens (Eigner et al. 2003: 23). Wikis sind im Gegensatz zu subjektiven Weblogs an Objektivität orientiert. Die Inhalte auf Wikis laufen unter Copyleft-Lizenzen, das sind juristische Konstruktionen, die auf eine Reform des Urheberrechts unter den veränderten Bedingungen des
elektronischen Publizierens abzielen. Für einen kollektiven Produktionsprozess ist dies unabdingbar, da herkömmliche Formen des Urheberrechts mit dem Prinzip so genannter freier Inhalte konfligieren.39 Das bekannteste Wiki ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die in mehr als 100 verschiedenen Sprachen verfügbar ist.

Die Technologien, auf denen Weblogs, Wikis und Peer-to-Peer-Angebote beruhen, werden als Social Software bezeichnet, da sie kostenlos verfügbar sind und eine weltweite digitale Kollaboration und Vernetzung von Personen und Inhalten ermöglichen (Zerfaß 2005: 3).

Fußnoten:

36URL: http://www.slashdot.org

37 URLs: http://de.wikinews.org/wiki/Hauptseite und http://shortnews.stern.de

38 So gibt es bei Stern Shortnews Regeln für die Nutzer bei der Erstellung der Beiträge wie Sachlichkeit, Neuigkeitswert, Trennung von Nachricht und Kommentar, Quellenangaben oder Beantwortung der W-Fragen. Mit einem Punktsystem werden qualitativ hochwertige und häufig frequentierte Nachrichten honoriert.

39 Bei freien Inhalten ist eine Weiterverarbeitung durch andere Nutzer erwünscht, womit sie in einer Gegenposition zum Prinzip des geistigen Eigentums stehen (Möller 2005: 171f.).