3.2.2 Neue Art der Vermittlung

Der vereinfachte Zugang zur Öffentlichkeit im Internet hat quantitative Folgen für die Kommunikation, da das Informationsangebot ansteigt. Aber es hat auch qualitative Folgen, da die Güte der Informationen oft nicht gewährleistet ist und „man auf jede Menge Informationsmüll stößt“ (Neuberger 2002: 34). Im Internet herrscht keine Knappheit an Vermittlungskapazität mehr, sondern eine Knappheit an Aufmerksamkeit und Beurteilungskompetenz der Rezipienten. Der Engpass hat sich von der Angebotsseite auf die Nutzerseite verschoben (Neuberger 2002: 34, Neuberger 2003a: 132).

„Nicht mehr was in den Medien ist, wird damit relevant, sondern wie man die Aufmerksamkeit auf das Medium lenken kann“ (Fischer/Quiring 2005: 11).

Auch im Internet bleiben Vermittler nötig, um Informationen aufzufinden und auf ihre Qualität zu prüfen. Es gibt es nun drei Formen von Vermittlung: professionelle, partizipative und technisch gesteuerte Vermittlung (Neuberger 2004b). Der professionelle Journalismus im Internet gleicht im Wesentlichen dem Print- und Rundfunkjournalismus. Die Kommunikation ist einseitig, auf ein Massenpublikum ausgerichtet und die Kommunikatoren sind in einer Redaktion organisiert (Neuberger 2004b). Journalisten behalten somit ihre Orientierungsfunktion (Fischer/Quiring 2005: 10). Suchmaschinen im Internet ermöglichen eine technisch gesteuerte Vermittlung. Anhand von mathematischen Formeln – auf Algorithmen beruhenden Gruppierungsverfahren – wählen sie Informationen aus. Sie lenken Aufmerksamkeit auf bereits publizierte Informationen (Neuberger 2003c: 8 ). Beim partizipativen Journalismus – dazu zählen Weblogs und Peer-to-Peer-Angebote – kann jeder an die Öffentlichkeit treten und Inhalte veröffentlichen (Neuberger 2004b). Laienjournalisten übernehmen somit eine Orientierungs- und Vermittlungsfunktion. Bislang hat sich noch kein einheitlicher Begriff für diese Art der Kommunikation herausgebildet. So schreibt Lasica (2004):

“Some call it citizen’s media, others call it participatory media, open media or grassroot publishing”.

Als weitere Bezeichnung kursiert der Begriff Open-Source-Journalismus. Im Rahmen dieser Arbeit wird der deutsche Begriff Bürgerjournalismus bevorzugt.