3.3.2 Eine neue Form der Qualitätskontrolle

“My readers know more than I do”
(Dan Gillmor)

Während traditionelle Journalisten von Chefredakteuren, Herausgebern und Anzeigenkunden abhängig sind, berichten Blogger meist völlig unabhängig. Herausgeber und Redaktion fungieren als Qualitätskontrolle. So werden bei traditionellen Medien die Informationen vor ihrer Veröffentlichung überprüft. Bei Weblogs gibt es ebenfalls eine Art Qualitätskontrolle, die allerdings erst nach der Veröffentlichung stattfindet (Neuberger 2003: 135, Fischer/Quiring 2005: 10). Leser haben meist die Möglichkeit, die Beiträge anderer zu kommentieren oder über Bewertungs-Tools zu beurteilen. Durch die Linkstrukturen entsteht ebenfalls eine Art Qualitätssystem: Wird ein Weblog von vielen Bloggern im Blogroll empfohlen oder ein Beitrag oft verlinkt, dient es als Indiz für Glaubwürdigkeit und Qualität (Hebestreit 2005). Dieses System wird als „Netzwerk des Vertrauens“ bezeichnet (Möller 2005: 204, Rheingold 2003: 120, Alphonso/Pahl 2004: 333). Der Prozess der Qualitätsprüfung nach der Veröffentlichung durch die Leser wird Peer-Reviewing genannt (Zerfaß 2005: 18). Dan Gillmor (2004: 11) fordert, das Publikum müsse ein wichtiger Bestandteil des Kommunikationsprozesses werden, um Qualität zu garantieren. Wie effektiv diese Art der Qualitätsprüfung ist, wurde bislang noch nicht empirisch untersucht.