3.3.5 Professionalisierungsgrad

“Writers who work for others
have less integrity to offer
than those who do it for love”
(David Winer)

Im Gegensatz zu traditionellen Journalisten betreiben Blogger ihre Tätigkeit in der Regel unprofessionell, d.h. sie bloggen in ihrer Freizeit, verdienen kein Geld damit und haben keine spezielle Ausbildung durchlaufen. Sie sind in keinem Redaktionsverbund organisiert (Bowman/Willis 2003: 10). Ein Vorteil bei dieser Unprofessionalität wird darin gesehen, dass Blogger unabhängig von Anzeigenkunden und PR-Agenturen berichten können, da sie nicht auf finanzielle Mittel angewiesen sind (Alphonso/Pahl 2004: 30).

In den USA gibt es inzwischen einige Personen, die Bloggen als Beruf betreiben. Marie Cox alias Wonkette beispielsweise verdient ihren Lebensunterhalt damit. Einige Blogger finanzieren ihre Arbeit mit Spendenaufrufen. So teilte der Blogger Christopher Allbritton vor Beginn des Irak-Krieges 2003 seinen Lesern mit: „Send me money, and I’ll go to Iraq and cover the war.“ Er erhielt über 14.000 Dollar und konnte aus dem Irak berichten (Gillmor 2004: 156). Der konservative Polit-Blogger Andrew Sullivan nahm mit einem Spenden- und Abonnement-Modell mehr als 100.000 US-Dollar ein (Möller 2005: 132).

Erste so genannte Weblog-Verlage sind entstanden. In den USA gibt es Gawker-Media44, die 13 Weblogs zu verschiedenen Themen betreiben und sich über Anzeigen finanzieren. In Deutschland wurde im Juni 2005 der Spreeblick-Verlag gegründet, unter dem sich sechs Weblogs unter anderem zu den Themen Wahlkampf, Musik und Technik vereinen. Der Spreeblick-Verlag will sich ebenfalls über Anzeigen finanzieren. Es ist also durchaus möglich, dass Blogger in Zukunft Geld mit ihrer Tätigkeit verdienen und somit dieses Unterscheidungskriterium zum traditionellen Journalismus entfällt.

Die Tatsache, dass Blogger keine professionelle Ausbildung durchlaufen haben, wird als Gefahr für die Autoren selbst gesehen; denn sie haben meist keine Erfahrung mit journalistischen Arbeitstechniken, Ethik oder Medienrecht (Outing 2004b). Für jede Veröffentlichung gelten Urheber- und Persönlichkeitsrecht. Bei einem Verstoß kann es theoretisch zu Abmahnungen kommen oder der Blogger zu Widerrufen gezwungen werden. Außerdem muss auf jedem Weblog ein Impressum eingerichtet sein (Alphonso/Pahl 2004: 341ff).

Fußnote:
44 URL: http://www.gawker.com