5.1 Bisherige Forschungsergebnisse

In einigen Studien haben sich Forscher mit dem Phänomen Weblogs auseinandergesetzt. Es liegen Untersuchungen vor zur Identitätsbildung und Selbstdarstellung durch Weblogs und persönliche Homepages (Herring et al. 2004, Döring 2001) sowie zu den Motiven der Weblog-Anbieter (Neuberger 2005). Umfangreiche Ergebnisse blieben jedoch bislang aus.

Es ist beispielsweise noch ungeklärt, wie sich die Weblog-Leserschaft in Deutschland in Bezug auf Alter, Schulbildung oder Mediennutzung zusammensetzt und von den übrigen Internet-Nutzern unterscheidet. Erkenntnisse darüber könnte die Struktur der Stichproben erster Studien liefern, die sich jedoch widersprechen: Herring et al. (2004: 5) kommen zu dem Schluss, dass sich Weblog-Leser kaum von den Internet-Nutzer insgesamt unterscheiden. Das Durchschnittsalter der Weblog-Leser sei ein wenig niedriger, das Geschlechterverhältnis gleichmäßiger verteilt. In dieser Stichprobe waren 54,2 Prozent der Blogger männlich und 40,4 Prozent jünger als 20 Jahre.58 Bei Herring et al. wurden vornehmlich – zu 70 Prozent – persönliche Weblogs betrachtet. Bei der Untersuchung politischer Weblogs von Abold (2005) setzte sich die Stichprobe dagegen anders zusammen (vgl. Abbildung 1). Der Anteil der Männer war hier deutlich höher, die Befragten verfügten über eine hohe Schulbildung und nutzten das Medium Internet sehr intensiv.

Abbildung 1,Merkmale einer Stichprobe „Politische Blogger&ldquo

Einen ersten Ansatz zur Glaubwürdigkeit von Weblogs findet sich in einer US-Umfrage: Dabei wurde herausgefunden, dass 61 Prozent der Rezipienten Weblogs für ehrlicher halten als andere Publikationsformen (Lasica 2004). Bei Abold (2005: 10) hielten 25 Prozent der Befragten politische Weblogs für eine glaubwürdige Informationsquelle. Genauerer Untersuchungen mit einer differenzierten Erfassung des Glaubwürdigkeitskonstruktes blieben bislang aus.

Des Weiteren kam Abold (2005: 10f.) zu dem Ergebnis, dass Blogger ihrem Genre mehr Bedeutung zusprechen als Nicht-Blogger. Sie schreiben Weblogs einen größeren Einfluss auf die öffentliche Meinung zu als diejenigen Leser, die kein eigenes Weblog führen.

In einer Studie an der Universität Münster untersuchte Christoph Neuberger (2005) die Motive der Anbieter von Weblogs: 74,5 Prozent der Befragten gaben an, ein Weblog zu führen, um ihre Meinung zu veröffentlichen, 64,2 Prozent wollen unterhalten, 53,3 Prozent haben den Vorsatz, über wichtige Themen zu informieren. Die Hälfte der Befragten will mit anderen diskutieren, 40 Prozent wollen andere Menschen kennen lernen und knapp ein Drittel (32,1 Prozent) haben das Bestreben, journalistisch tätig zu sein. Lediglich jeder Zehnte hat das Ziel, Geld mit einem Weblog zu verdienen (Neuberger 2005: 87). Es gibt Anzeichen, dass sich Blogger an den Strukturen der Qualitätssicherung in der Blogosphäre beteiligen. So setzen 86,4 Prozent der Befragten Links zu andern Weblogs, 75,2 Prozent beteiligen sich mit eigenen Beiträgen an anderen Weblogs und 73,6 Prozent reagieren auf Nutzerbeiträge im eigenen Weblog (Neuberger 2005: 89). Es findet somit eine Prüfung fremder Beiträge statt. Offen bleibt, wie effektiv diese ist. Neuberger vermerkt, in der Studie sei lediglich die Perspektive der Anbieter beachtet worden. Die Sicht der Nutzer, die vorliegende Arbeit berücksichtigt, bleibe ausgeklammert.

Im Rahmen dieser Arbeit wird die Glaubwürdigkeit und Qualitätswahrnehmung von Weblogs aus Rezipientensicht untersucht, da diese Einfluss auf die Nutzung und Verbreitung der Weblogs haben.

Fußnote:
58 Die Internet-Nutzerschaft in Deutschland setzt sich zu 55 Prozent aus Männern zusammen, 13 Prozent sind zwischen 14 und 19 Jahren alt und 24 Prozent verfügen über mindestens die Allgemeine Hochschulreife (AGOF 2005).