5.2 Frage nach der Glaubwürdigkeit und Qualität von Weblogs

“Credibility and following bloggers have to be earned
through blood, sweat and tears.”
(Jennifer McClure)

Als Salam Pax während des Irakkrieges 2003 auf seinem Weblog Where is Raed? aus Bagdad berichtete, wurden in der Blogosphäre Stimmen laut, die an seiner Identität zweifelten. Erst Monate nach dem Krieg konnte die Authentizität der Berichte von Pax nachgewiesen werden und die Glaubwürdigkeit wiederhergestellt werden.

Es wird diskutiert, wie es Bloggern gelingen kann, ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen. So meinen Bowman und Willis (2003: 43): „One of the most effective ways is through hyperlinks.” Diese seien Indiz für größere Transparenz. Auch die Geschwindigkeit des Feedbacks sei entscheidend. Des Weiteren sprechen Kommentare, Angabe des Namens des Autors und weitere Informationen über den Autor oder ein Blogroll für eine höhere Glaubwürdigkeit des Bloggers (Bowman/Willis 2003: 4). Da diese Thesen bislang nicht auf empirische Gültigkeit geprüft wurden, soll dies im Rahmen der vorliegenden Arbeit geschehen.

Experten wie Mitchell und Steele (2005) sehen die Frage nach der Glaubwürdigkeit bei Weblogs folgendermaßen:

“The blogger and the journalist had arrived at the heart of the matter: trust, the cornerstone of credibility for blogging as well as journalism (…). Traditionally in journalism, credibility means a story rings true. It’s accurate. It’s in context. The reporting and presentation are fair. In the blogosphere, credibility may borrow from those values but is likely also shaped by what the individual blogger – or group of bloggers – stands for. Both groups – traditional journalists and bloggers – face significant challenges in terms of credibility and ethical conduct. For the traditional journalist, it’s a matter of measuring up to existing, generally accepted standards. For bloggers who have not yet addressed the issue, it’s first a matter of figuring out what their standards might be and then measuring up.”

Auch Bowman und Willis (2003: 53) vermuten, das diejenigen Eigenschaften bei Weblogs eine Rolle spielen, die im traditionellen Journalismus nur zweitrangig beachtet werden:

“Journalists think trust equals accuracy. But it’s about much more: passion, genuineness, integrity. Honest conversation and passionate collaboration could instill respect and trust into the relationship between both parties.”

Dan Gillmor (2004: 134) fordert Blogger auf, in jedem Falle die Regeln des traditionellen Journalismus zu beachten, um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen:

“No matter which tools and technologies we embrace, we must maintain core principles, including fairness, accuracy, and thoroughness. These are not afterthoughts. They are essential if (…) journalism expects to survive.”

Es gibt die Hypothese des Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Donsbach, dass Weblogs vor allem von denjenigen genutzt werden, die in die traditionellen Medien und vielleicht auch in die traditionellen Institutionen unserer Gesellschaft, insbesondere Politik, Vertrauen verloren haben (nach Brückerhoff 2004). Sie erwarten von Weblogs, in dieser Hinsicht nicht enttäuscht zu werden.

In der folgenden Studie soll die Glaubwürdigkeit und Qualität von Weblogs untersucht werden: Warum werden einige Weblogs als glaubwürdiger angesehen als andere? Unterscheiden sich die Glaubwürdigkeitsattributionen der Rezipienten je nach Alter, Bildung oder Mediennutzung? Welche Qualitäten schätzen Rezipienten bei Weblogs besonders? Gibt es Komponenten, die die Glaubwürdigkeit erhöhen? Können bestimmte Eigenschaften von Weblogs dazu beitragen, dass diese als glaubwürdiger beurteilt werden?

Als Bezugsobjekt werden in dieser explorativen Studie einzelne Weblogs gewählt. Die Blogosphäre insgesamt wird als zu unterschiedlich angesehen, als dass man sie als Ganzes beurteilen könne. Ob einzelne Beiträge als glaubwürdig gesehen werden und welche Faktoren einen Beitrag glaubwürdig machen, wäre in weiteren Studien zu überprüfen.