5.4.2 Vor- und Nachteile der Online-Befragung

Da es sich im Rahmen dieser Arbeit um eine Befragung von Internet-Nutzern handelt, wird die Online-Befragung als Methode gewählt. Prinzipiell ist die Online-Befragung mit einer schriftlichen Befragung zu vergleichen (Brosius/Koschel 2001: 140, Möhring/Schlütz 2003: 146).

Die Grundgesamtheit der Online-Nutzer kann man nicht identifizieren und damit keine repräsentativen Stichproben im Internet ziehen. Betrachtet man jedoch eine klar umrissene Gruppe von Nutzern – wie in diesem Falle die Leser von Weblogs – kann dieser Personenkreis als Grundgesamtheit gesehen werden (Brosius/Koschel 2001: 140). Da der Forscher die Grundgesamtheit nicht kennt, geht man davon aus, dass „eine Stichprobe die Grundgesamtheit dann gut abbildet, wenn sie zufällig gezogen wurde“ (Hauptmanns 1999: 26). Allerdings erfolgt im Internet keine aktive Stichprobenziehung des Forschers, sondern die Befragten entscheiden selbst über eine Teilnahme. Repräsentativität scheint somit unmöglich, da die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass diejenigen den Hinweis auf die Umfrage entdecken, die das Internet intensiver nutzen. Es werden verstärkt Nutzer teilnehmen, die an dem Befragungsthema interessiert sind. Weitere Verzerrungen entstehen möglicherweise dadurch, dass die Teilnehmer für die Internetgebühren selbst aufkommen müssen (Bandilla 1999: 12f.).

Zu den Vorteilen der Online-Befragung gehört, dass sie für den Forscher relativ günstig ist, da kein personeller oder materieller Aufwand bei der Durchführung nötig ist. Die Daten lassen sich rasch erheben, weil ein Rücklauf meist relativ schnell erfolgt. Sie sind anschließend sofort verfügbar, da sie automatisch direkt in eine Datenbank eingespeist werden. Eingabefehler – wie sie bei der Codierung von schriftlichen Fragebögen vorkommen – werden so vermieden. Online-Fragebögen können breit gestreut werden, da sie ortsunabhängig distribuiert werden. Dadurch werden hohe Fallzahlen erreicht (Brosius/Koschel 2001: 141, Batinic et al. 1999: 93, Möhring/Schlütz 2003: 147). Außerdem können in einem Online-Fragebogen automatische Filter gesetzt und Antwort-Batterien zufällig rotiert werden (Brosius/Koschel 2001: 134). Dadurch wird der Fragebogen für die Befragten einfach zu bedienen und bestimmte Fragensamples – wie die zufällige Auswahl einer von mehreren Kategorien zur Beantwortung – können durchgeführt werden (Hauptmanns 1999: 24f).

Online-Befragungen erreichen inzwischen in Deutschland ein recht breites Publikum: Der Anteil der Online-Nutzer wächst kontinuierlich. Im Frühjahr 2005 waren 37,5 Millionen Bundesdeutsche online, was 57,9 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht (Eimeren/Frees 2005: 363). Mehr als 80 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen das Internet. Während immerhin 70 Prozent der 40- bis 49-Jährigen das Internet nutzen, sind es bei den über 60-Jährigen lediglich 18 Prozent (Eimeren/Frees 2005: 364, Blödorn/Gerhards 2005: 280). Der Frauenanteil bei den Internet-Nutzern beträgt 45 Prozent. 24 Prozent der Nutzer verfügen mindestens über die Allgemeine Hochschulreife und 83 Prozent sind berufstätig oder in Ausbildung (AGOF 2005).59 Jeder erwachsene Bundesbürger verbringt täglich durchschnittlich 562 Minuten mit Medien; dabei nutzt er 231 Minuten das Fernsehen, 193 Minuten das Radio und 46 Minuten das Internet (Eimeren/Frees 2005: 377f.). Weblogs sind 27 Prozent der deutschen Internetnutzer bekannt (BBDO Germany 2005); wie viele von diesen Weblogs regelmäßig lesen ist nicht klar.

Fußnoten:

59 Die Daten zur Internet-Nutzung nähern sich zunehmend denen der deutschen Gesamtbevölkerung an. Die Vergleichsdaten: Der Frauenanteil der Gesamtbevölkerung liegt bei 52 Prozent, 17 Prozent verfügen über die Allgemeine Hochschulreife und 62 Prozent sind berufstätig oder in Ausbildung (AGOF 2005).