5.6 Ziehung der Stichprobe

“Even people who do not own a computer and have no opportunity to ‘surf the net’ could not have missed the news stories about the Internet“ (Schweiger 1999: 90).

Das Internet hat seinen festen Platz in der Berichterstattung der Massenmedien (Scheufele 1999: 69). Bei Weblogs ist dies bislang nicht so. Trotz des steigenden Interesses der Medien an dem Phänomen wissen große Teile der an den Medien interessierten Bevölkerungsschichten nicht, was unter dem Begriff Weblog zu verstehen ist.68 Lediglich 27 Prozent der Internetnutzer können mit dem Begriff etwas anfangen. Deshalb werden im Rahmen dieser Arbeit keine Nicht-Nutzer befragt (BBDO Germany 2005).

Weblog-Leser mit Hilfe eines Online-Fragebogens zu erreichen, der auf verschiedenen Weblogs verlinkt war, erschien die effizienteste Möglichkeit zu sein, die Befragung durchzuführen. Es wird zwar davon ausgegangen, dass damit vor allem Weblog interessierte Personen und Weblog-Vielnutzer an der Befragung teilnehmen, aber aus technischen Gründen ließ sich dies nicht vermeiden. Mögliche Verzerrungen, die hieraus entstehen, werden an gegebener Stelle diskutiert.

Die Weblog-Anbieter wurden per Zufallsprinzip angeschrieben. Die Anbieter wurden mit Hilfe von bewusst gewählten Suchbegriffen über die größte deutschsprachige Weblog-Suchmaschine Blogverzeichnis des Betreibers Blogg.de ausfindig gemacht. Die Verwendung von Suchbegriffen war notwendig, um persönliche Weblogs auszusondern, da thematische Blogs gefolgt von Watch- bzw. Metablogs für die Untersuchung von besonderem Interesse sind: Thematische Weblogs erfüllen eher als persönliche Weblogs journalistische Anforderungen (Neuberger 2005: 82). Die verwendeten Suchbegriffe lauteten: „Bundestag“ (2.916 Treffer)“, „Internet UND Technik“ (986 Treffer), „SPD UND Politik“ (1.777 Treffer), „CDU UND Politik“ (1.493 Treffer) sowie „Journalismus“ (1.979 Treffer). Es wurden zu jedem Suchbegriff jeweils zehn bzw. bei „SPD UND Politik“ und „CDU UND Politik“ jeweils fünf Weblog-Betreiber zufällig ausgewählt – insgesamt also 40 Weblogs.69 Dabei wurde darauf geachtet, dass das Weblog in den vergangenen vierzehn Tagen mindestens einmal aktualisiert wurde und insgesamt bereits mehr als zehn Beiträge enthält. War dies nicht der Fall, wurde zufällig ein weiteres Weblog ausgewählt. Falls ein Weblog zwei Mal vorkam, wurde es nicht noch einmal berücksichtigt und dafür ein weiteres herangezogen. War auf dem Weblog keine Email-Adresse des Autors angegeben oder war diese fehlerhaft, wurde ebenfalls zu einem weiteren übergegangen.

Es wurde akzeptiert, dass mehr Personen von Weblogs, die viele Leser haben, auf den Fragebogen stoßen. Es sollte nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Weblogs auf den Fragebogen verlinken.70 Zur Stichprobe zählten nur Weblogs, die von Deutschen geführt werden – keine österreichischen oder schweizerischen.71

Fußnoten:

68 Es wurden im Juni 2005 24 Studenten der Kommunikationswissenschaft an der Universität München gefragt, was sie unter einem Weblog verstehen. Lediglich 7 konnten eine zutreffende Beschreibung abgeben.

69 Die Durchführung der Stichprobenauswahl fand am 24.7.2005 statt. Die Liste mit den angeschriebenen Weblogs findet sich im Anhang 10.2. Das Anschreiben kann im Anhang 10.1 nachgelesen werden.

70 Dies geschah bei fünf weiteren Weblogs, siehe Anhang 10.2.

71 Die Weblog-Betreiber wurden am 26.7. und 27.7.2005 angeschrieben. Im Zeitraum zwischen 26.7. und 4.8.2005 veröffentlichten mindestens 28 Betreiber den Link. Detaillierte Angaben finden sich im Anhang 10.2.