5.8 Diskurs: Reaktionen der Blogosphäre auf den Fragebogen

Im Folgenden werden in einem kleinen Diskurs die Reaktionen der Blogosphäre auf den Online-Fragebogen dargelegt. Nach Anschreiben der Weblog-Anbieter und Veröffentlichung des Fragebogens trafen 21 Emails mit Kommentaren bei der Autorin der Arbeit ein und auf zahlreichen der angeschriebenen Weblogs wurde der Fragebogen diskutiert, was bei einer wissenschaftlichen Untersuchung bislang als ungewöhnlich gilt.

In den Emails übten Blogger Kritik an der Befragung oder sprachen Lob aus für das Konzept oder einzelne Fragestellungen, die ihnen gefallen hatten. Während Einige den Fragebogen für zu stark auf Weblogs ausgerichtet halten, meinte beispielsweise Thomas Mrazek, Betreiber des Weblogs Netzjournalist72, in einer Email:

„Ein paar Eindrücke erwecken halt schnell den Eindruck, dass es etwas in die Schwarz-Weiß-Richtung gehen könnte, da wäre zu befürchten, dass ein paar Leute rummeckern (…), dass eh dabei rauskommen soll, dass Old-Media letztlich doch besser ist usw. usf.“

Christian Zorn regte sinnvoller Weise an, bei der Bewertung von Heise.de zwischen Heise und Telepolis zu unterscheiden, die zwar beide zu dem Online-Angebot gehören, sich aber qualitativ sehr unterscheiden. Jürgen Krafzik vom konservativen Gegenstimme-Blog73 forderte, doch alle drei genannten Weblogs von Frage 8 anschließend auch beurteilen zu lassen und nicht nur ein zufällig ausgewähltes. Martin Roell, der das E-business-Weblog74 betreibt, bemängelte, es gebe kein Hilfsprogramm, das den Befragten bei Unklarheiten zur Seite steht; deshalb habe er „auf Seite 4 kapituliert“. Weblog-Leser „CK“ dagegen schrieb in einer Email: „Ich habe den Fragebogen deswegen ausgefüllt, weil die Fragen durchdacht, klar und ohne Verrenkungen zu beantworten waren.“ Des Weiteren wünschten die Blogger viel Glück für den Abschluss der Arbeit und zeigten sich interessiert an den Ergebnissen. Auf Weblogs, auf denen der Link zum Fragebogen platziert war, wurde diskutiert, ob das Layout des Fragebogens ansprechend sei, warum keine Arbeiter in den Berufssparten aufgeführt seien oder ob der Fragebogen zu umfangreich sei.

Es bleibt festzuhalten: Theoretisch lassen sich durch geäußerte Kritik der Blogger Ungereimtheiten und Fehler bei der Erhebung vermeiden und korrigieren. Dieser Prozess kann in Zukunft als eine Art zweiter Pretest gesehen werden, der nicht vor der Untersuchung abgeschlossen ist, sondern zum Zuge kommt, während diese durchgeführt wird. Im Rahmen dieser Arbeit wurde allerdings verzichtet, Änderungen – bis auf einen Rechtschreibfehler – vorzunehmen, da die wesentlichen Kritikpunkte der Blogger von anderen als positiv gesehen wurden oder weil die Beanstandungen wie ein wenig ansprechendes Layout oder ein fehlendes Hilfsprogramm vom technischen Aufwand her im Rahmen dieser Arbeit nicht umgesetzt werden konnten.

Eine Besonderheit ist auch, dass die Kritikpunkte und Bemerkungen über die Umfrage, wenn sie auf Weblogs geäußert werden, für jeden, der von dieser Seite aus an der Befragung teilnimmt, sichtbar sind. So forderte der Autor des Weblogs Finger.Zeig.net75 seine Leser scherzhaft auf, bei der Angabe von drei bekannten thematischen Weblogs seines anzugeben. Nixxon antwortete: „Hab’ Dich an 2 gesetzt. Mal sehen was draus wird. :-) “ Es wäre interessant zu untersuchen, in welchem Umfang dies Einfluss auf das Antwortverhalten hat.

Fußnoten:

72 URL: http://netzjournalist.twoday.net

73 URL: http://gegenstimme.blogg.de

74 URL: http://www.roell.net/weblog

75 URL des Beitrags: http://www.finger.zeig.net/?p=1375#more-1375