6.4.1 Vergleich der Qualitätsurteile

Die befragten Rezipienten schreiben Weblogs eine im Vergleich zu Online-Magazinen verhältnismäßig hohe Glaubwürdigkeit zu. Erzielen Weblogs auch positive Qualitätsbewertungen?

Um dies zu analysieren, werden die Qualitätsurteile, die Rezipienten dem jeweiligen Online-Genre zuschreiben, miteinander verglichen.87 Bei Weblogs sind den Nutzern folgende Qualitäten von besonderer Bedeutung: die regelmäßige Aktualisierung (21,2 Punkte), die Angabe oder Verlinkung der Quellen (21,2), das Vorhandensein einer Archiv- und Suchfunktion (19,8), die einfache Orientierung auf dem Angebot (19,4) sowie das Vorhandensein von Links auf andere Online-Seiten (18,9). Bei Online-Magazinen legen die Befragten besonderen Wert auf die regelmäßige Aktualisierung (22,4 Punkte), das Vorhandensein einer Archiv- und Suchfunktion (18,4), die Fehlerlosigkeit der Beiträge (16,2), ein ansprechendes Layout des Angebots (16,2) und die einfache Orientierung auf dem Angebot (15,8). Erneut ergeben sich meist signifikant positivere Werte bei Weblogs (vgl. Tabelle 12).

Im Gesamturteil liegen Weblogs mit 15,6 Punkten signifikant 3,4 Punkte vor den Online-Magazinen. Hypothese 4a kann somit nicht beibehalten werden; eine genauere Untersuchung analog zu dem Einfluss auf die Glaubwürdigkeitsattributionen scheint jedoch angebracht.

Tabelle 12: Qualitätsbeurteilung von Online-Magazinen und Weblogs

Bei welchen Qualitätsurteilen sind die Differenzen am größten? Wie zu erwarten, erzielen Weblogs bei der Dimension „Vorhandensein einer Trackbackfunktion“ bessere Werte (Differenz 8,7), da bei Online-Magazinen in der Regel bislang keine Trackbackmöglichkeit besteht. Allerdings sind die Werte bei beiden Genres überdurchschnittlich niedrig (4,8 bzw. 13.5); dies bedeutet, dass die Rezipienten dieser Dimension wenig Wichtigkeit zusprechen: der Wert für die Qualitätserwartung betrug 3,04. Aus wohl gleichem Grunde werden Weblogs bei dem „Vorhandensein einer Kommentarfunktion“ positiver beurteilt als Online-Magazine (Differenz 6,5). Eine große Diskrepanz herrscht auch bei der „Werbefreiheit eines Angebots“ (Differenz 7,5). Weblogs, die in der Regel kaum über Werbung verfügen, schneiden besser ab als Online-Magazine, die versuchen, sich über Werbung zu finanzieren. Auch bei dieser Dimension fällt das Qualitätsurteil der Befragten verhältnismäßig niedrig aus (4,6 bzw. 12,1), der Erwartungswert betrug 3,14. Es scheint den Rezipienten somit relativ gleichgültig zu sein, ob auf einem Angebot Werbung geschaltet ist.88

Da Weblogs weitaus häufiger über eine Kontaktmöglichkeit mit dem Autor der Beiträge zu verfügen scheinen (Qualitätswahrnehmung 2,64 bzw. 4,22), werden sie auch bei diesem Kriterium deutlich besser beurteilt als Online-Magazine (Differenz 6,1). Auch bei dem Qualitätskriterium – bei Weblogs als wichtigstes angesehen – „Angabe oder Verlinkung von Quellen“ erzielen diese einen hohen Vorsprung (Differenz 5,9). Nach Ansicht der Rezipienten erfüllen Weblogs dieses Kriterium recht gut (4,50 Punkte), wohingegen Online-Magazine dies lediglich zu 3,22 Punkten leisten. Vielleicht sollten Online-Magazine in Kauf nehmen, durch Quellenverlinkung auf fremde Webseiten, Leser von ihrer Seite wegzuführen, aber dafür als qualitativ hochwertiger eingestuft zu werden.

Online-Magazine können einen signifikanten Vorsprung bei den Qualitätsurteilsdimensionen „regelmäßige Aktualisierung“ (Differenz 1,2) sowie „Multimedialität“ (Differenz 0,9) behaupten. Dies spricht zum einen für eine intensivere Arbeit der Autoren und zum anderen für eine grafisch professionellere Aufarbeitung der Beiträge. Da in Online-Redaktionen mehrere Personen – oft beinahe rund um die Uhr – arbeiten und meist auch Bildredakteure beschäftigt sind, überraschen die Ergebnisse nicht. Als einzelner Blogger sind diese Anforderungen kaum erfüllbar.

Wie in Hypothese 4b vermutet, erzielen Weblogs bei bestimmten Dimensionen bessere Beurteilungen als Online-Magazine: Dazu zählen die Angabe einer Kontaktadresse, weitere Angaben über den Autor, das Vorhandensein von Links, Kommentar- oder Trackbackfunktion und die Werbefreiheit. Allerdings wird teilweise diesen Dimensionen wenig Wichtigkeit zugeschrieben, was sicherlich auch daran liegt, das beispielsweise Trackback oder Bewertungsmöglichkeiten neue Phänomene in der Internetkultur sind und sich ihre Bedeutung erst im Laufe der Zeit herauskristallisieren wird.

Fußnoten:

87 Zur Bildung der Qualitätsurteile siehe Kapitel 4.2.3.

88 Dies könnte für die Blogger als Signal gesehen werden, dass Leser durchaus Werbung auf Weblogs dulden.