6.4.3 Abhängigkeit von soziodemografischen Merkmalen

Zeigen sich bei den Qualitätsurteilen ebenfalls Unterschiede in Abhängigkeit von den soziodemografischen Merkmalen (Hypothese 5)? Die Befragten bewerten die Qualität von Weblogs in der Regel unabhängig davon, ob es sich um weibliche oder männliche Teilnehmer handelt, auf ähnliche Weise; die Mittelwerte bei der Gesamtbewertung betragen einheitlich 15,5 (siehe Tabelle 25A im Anhang).89 Allerdings ist bei einigen Qualitätsdimensionen ebenso wie bei den einzelnen Glaubwürdigkeitszuschreibungen die Tendenz zu erkennen, Frauen stehen Weblogs positiver gegenüber. Bei den Dimensionen Multimedialität (Differenz 2,9), Fehlerfreiheit (Differenz 2,1) und Werbefreiheit (Differenz 2,3) unterscheiden sich ihre Qualitätsurteile signifikant von denen der Männer.

Während bei der Glaubwürdigkeitszuschreibung die jüngeren Befragten Weblogs die höhere Glaubwürdigkeit zusprachen, ist dies bei der Qualitätsbeurteilung nicht zu beobachten. Vielmehr beurteilen die Befragten unter 20 Jahren Weblogs am schlechtesten (vgl. Tabelle 26A im Anhang). Auch bei den Einzeldimensionen „regelmäßige Aktualisierung“, „übersichtliches Layout“, „Sprachstil“, „Kontaktmöglichkeit mit dem Autor“, „Vorhandensein einer Kommentarfunktion“ und „Werbefreiheit“ bewerten die Jüngsten Weblogs am negativsten. Da hier die Fallzahlen sehr gering sind, gilt Vorsicht bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse. Es bleibt festzuhalten: Obwohl die Befragten unter 20 Jahren Weblogs am negativsten beurteilen, halten sie diese für glaubwürdiger. Beeinflussen somit die Qualitätsurteile die Glaubwürdigkeitsdimensionen nicht? Dieser Frage wird in Kapitel 6.5 nachgegangen.

Seit welchem Zeitraum ein Leser Weblogs nutzt, spielt bei den Qualitätsurteilen keine Rolle. Es gibt – im Gegensatz zur Glaubwürdigkeitszuschreibung – keine Unterschiede bei der Bewertung (vgl. Tabelle 27A im Anhang). In Abhängigkeit von der täglichen Weblog-Nutzung lassen sich jedoch signifikante Differenzen feststellen: Wenig-Nutzer beurteilen die Qualitäten von Weblogs als schlechter als Personen, die Weblogs intensiver nutzen (vgl. Tabelle 28A im Anhang). Bei den Urteilen über Multimedialität, Sprachstil, Kommentarfunktion sowie bei der Qualitätsbewertung insgesamt ergeben sich signifikante Unterschiede. In Hinblick auf die Dauer der täglichen Internet- und Medien-Nutzung ergeben sich keinerlei aussagekräftige Tendenzen. Diese Dimensionen scheinen somit ohne Einfluss auf die Qualitätsbewertung zu sein: Die Hypothesen 5e2 und 5e3 können wohl abgelehnt werden, Hypothese 5e1 dagegen kann zunächst auf Grund der Tendenzen beibehalten werden. Wenn ein Weblog-Leser auch selbst ein eigenes Weblog führt, bewertet er diese tendenziell etwas positiver (vgl. Tabelle 29A im Anhang). Doch lediglich bei der Qualitätsdimension „Multimedialität“ erweist sich diese Tendenz als signifikant. Die Ergebnisse sind somit mit Vorsicht zu betrachten. Bei den Qualitätsurteilen ergeben sich des Weiteren keine Hinweise auf Unterschiede in Abhängigkeit vom Schulabschluss, dem Berufsfeld oder ob die Befragten einen IT- oder Medienberuf innehaben.

Es bleibt in einem Fazit festzuhalten: In Abhängigkeit von den soziodemografischen Daten variieren die Qualitätsurteile der Befragten weniger stark als bei der Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Weblogs. Die Qualitätsurteile werden mit Hilfe der wahrgenommenen Eigenschaften bei dem jeweiligen Online-Genre gebildet. Da keine großen Unterschiede bei den Befragten in Abhängigkeit der soziodemografischen Merkmale entstehen, kann man davon ausgehen, dass unter ihnen eine hohe Wahrnehmungsadäquanz besteht – also dass die als vorhanden wahrgenommen Qualitäten auch tatsächlich auf dem Weblog oder Online-Magazin vorhanden sind. Auf eine Überprüfung der Wahrnehmungsadäquanz mit Hilfe einer Inhaltsanalyse wird deswegen verzichtet.

Somit scheinen die soziodemografische Merkmale und Qualitätsurteile sich gegenseitig kaum zu beeinflussen. Die Vermutung liegt nahe, dass die Glaubwürdigkeitsbeurteilung sowohl durch soziodemografische Merkmale als auch durch die Qualitätsurteile der Befragten bestimmt wird. Inwieweit die Qualitätsdimensionen einen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit von Weblogs und Online-Magazinen haben, soll im folgenden Kapitel analysiert werden.

Fußnote:

89 Die Fallzahlen bei der Gesamtbewertung sind sehr gering, deswegen sind die Ergebnisse für das Gesamturteil mit Vorsicht zu betrachten. Die Tendenzen bei den einzelnen Dimensionen erscheinen aussagekräftiger.