6.5.3 Einflüsse auf die Glaubwürdigkeit bei Online-Magazinen

Wird die Glaubwürdigkeit von Online-Magazinen von den gleichen Variablen beeinflusst wie die der Weblogs oder kommen ganz andere Qualitätsdimensionen zum Tragen? Bei der Kompetenzbeurteilung von Online-Magazinen können mit der vierstufigen Regression 37,9 Prozent der Varianz erklärt werden (vgl. Tabelle 15). Das sind 11,8 Prozentpunkte mehr als bei Weblogs. Andere Variablen, die nicht in das Untersuchungsmodell einbezogen waren, scheinen hier weniger Bedeutung zu haben als bei der Kompetenzbeurteilung von Weblogs.

Soziodemografische Variablen beeinflussen die Kompetenzbeurteilungen von Online-Magazinen nicht (siehe auch Kapitel 6.3.3). Bei den Qualitätswahrnehmungen und -urteilen herrscht keine Übereinstimmung mit den Ergebnissen bei Weblogs: Hier haben andere Dimensionen signifikanten Einfluss.

Tabelle 15: Signifikante Einflüsse auf Kompetenzbeurteilung von Online-Magazinen

Wenn Rezipienten Angaben über den Autor als wichtig erachten und diese bei dem jeweiligen Online-Magazin auch wahrnehmen, schreiben sie diesem mehr Kompetenz zu. Auch wenn eine Kontaktadresse auf dem Angebot wahrgenommen wird, beurteilt ein Rezipient das Online-Magazin als kompetenter. Eine einfache Orientierung auf der Webseite lässt die Rezipienten auf eine höhere Kompetenz schließen.98

Je besser der Sprachstil eines Autors wahrgenommen wird, desto positiver wird die Glaubwürdigkeit eines Online-Magazins – sowohl bei der Kompetenz als auch bei der Vertrauenswürdigkeit – beurteilt (vgl. auch Tabelle 16). Dieser Faktor gilt ebenso wie bei der Kompetenzbewertung der Weblogs.

Tabelle 16: Signifikante Einflüsse auf die Vertrauenswürdigkeit von Online-Medien

Auffallend ist, dass die wahrgenommene Multimedialität (vgl. Tabelle 15 und 16) die Glaubwürdigkeitszuschreibung negativ beeinflusst – was sich in dem positiven Beta-Wert zeigt. Eine mögliche Erklärung ist: Zu viele Bilder, Audiodateien oder Videos führen zu Verwirrung und somit wird ein Online-Magazin als weniger kompetent oder vertrauenswürdig beurteilt. Vielleicht vermuten die Leser auch, dass ein Journalist durch einen hohen Einsatz von Multimedialität von den eigentlichen Inhalten ablenken will.

Auch der negative Zusammenhang zwischen Aktualität und Kompetenzzuschreibung überrascht (vgl. Tabelle 15), da bislang eine Stärke der Online-Angebote in der raschen Veröffentlichung von Informationen gesehen wurde. Möglicherweise fürchten Rezipienten jedoch Ungenauigkeiten und Fehler bei einer aktuellen Publikation, die möglicherweise ihrer Meinung nach unter Umständen unzureichend geprüft wurde.

Ist ein Archiv und eine Suchfunktion vorhanden, werden Online-Magazine als vertrauenswürdiger beurteilt (vgl. Tabelle 16). Dies erscheint logisch, da diese Funktionen eine Nachprüfbarkeit und Wieder-Aufrufbarkeit der Informationen ermöglichen und diese damit vertrauenswürdiger erscheinen lassen. Allerdings wurde bei der Kompetenzbewertung von Weblogs bei dieser Dimension ein negativer Zusammenhang attestiert (vgl. Kapitel 6.5.1). Möglicherweise trägt ein Archiv oder eine Suchfunktion also zur Vertrauenswürdigkeit der Online-Magazine bei, zu einer positiven Kompetenzbeurteilung der Weblogs jedoch keineswegs.

Es lässt sich ein Fazit ziehen: Blogger und Journalisten von Online-Magazinen haben die Möglichkeit, durch gezielte Umsetzung der Anforderungen der Rezipienten, eine höhere Glaubwürdigkeit erreichen und damit dazu beitragen, dass Rezipienten sich wieder ihrem Angebot zuwenden. Die Glaubwürdigkeits-zuschreibungen von Weblogs und Online-Magazinen werden dabei von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. An Blogger und Online-Journalisten werden andere Ansprüche von den Rezipienten gestellt. Während für Blogger das Potential eher darin gesehen wird, ihre Glaubwürdigkeit durch ergänzende Informationen von denen der traditionellen Medien steigern zu können, kommt es bei Online-Magazinen eher auf Kontaktmöglichkeiten zum Autor an.

Fußnote:

98 Auch wenn die Irrtumswahrscheinlichkeit bei zwei dieser Dimensionen lediglich kleiner als 0,1 ist, kann von einem Zusammenhang ausgegangen werden, da die jeweiligen bivariaten Korrelationen einen höchstsignifikanten Zusammenhang attestieren.