2.3.2 Moderne Autorschaft am Schnittpunkt der Diskurse

Das moderne Konzept des freien Schriftstellers als individuellem Schöpfer seiner Werke entwickelte sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert „an der Schnittstelle ästhetischer, juristischer u. ökonomischer Diskurse, die [...] die zentralen Begriffe vom Autor als Schöpfer, vom Urheber als Persönlichkeit u. vom Werk als Individualität u. Ganzheit bis heute prägen.“53

Welcher Funktionszusammenhang mit 'Autor' und 'Werk' gemeint ist, hängt vom Zugriff des jeweiligen Kommunikationssystems ab. Bei der Frage nach Autorkonzepten sollten deshalb neben historischen Entwicklungen auch systemische Aspekte in den Blick genommen werden.54 Im folgenden wird nachgezeichnet, wie sich das moderne Autorkonzept in juristischer, ökonomischer und ästhetischer Hinsicht im medialen Kontext der Druckkultur herausgebildet hat. Gänzlich isoliert lässt sich der Umgang mit dem Autor- und Werkbegriff in den einzelnen Kommunikationssystemen nicht betrachten, da auch Wechselwirkungen und Rückkopplungen zwischen den verschiedenen Funktionsbereichen auftreten können – man denke an die gegenseitige Beeinflussung von juristischem und ästhetischem Diskurs bei der Entwicklung der modernen Konzeption 'geistigen Eigentums'.

Die erhebliche katalysatorische Wirkung medialer Einflussfaktoren lässt sich in diesem Zusammenhang kaum von der Hand weisen. So kam es infolge reproduktionstechnischer Innovationen im 18. Jahrhundert zu einer massiven Expansion von Schriftlichkeit und damit zu nachhaltigen Veränderungen in der literarischen Kommunikation: „Mit der Erfindung der Papiermaschine (1799) und der Schnelldruckpresse (1811) endet das 'gutenbergische Zeitalter der Buchdruckerkunst'.“55

Neben die bis dahin nicht gekannten Auflagenzahlen traten sozialgeschichtliche Faktoren wie die Reformierung von Bildungseinrichtungen, eine zunehmende Alphabetisierung breiter Bevölkerungsschichten und nicht zuletzt die Umstellung von der intensiven Lektüre weniger kanonisierter Bücher zur extensiven Lektüre einer Vielzahl von unterschiedlichen und neuen Texten.

Fußnoten:

53 Jäger 1992, S.68.

54 Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1984.

55 Bosse, Heinrich: Autorschaft ist Werkherrschaft. Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit. Paderborn u.a.: Schöningh, 1981. S.13.